Franziskanerkloster Ottbergen

- Kloster Ottbergen mit angrenzender Klosterkirche
Das Franziskanerkloster Ottbergen wurde 1868 von der thüringischen Provinz ursprünglich als Noviziatskloster gegründet. Es ging 1947 an die Silesia über und wurde als Internat genutzt. Im Jahre 1980 ging Ottbergen im Zuge des stufenweisen Anschlusses der Silesia an die Saxonia an diese über. Neben der Klosterkirche gibt es noch eine eigene Pfarrkirche, die von den Brüdern mit betreut wird. Bedeutsam für Ottbergen ist die Kreuzwallfahrt. Es gibt einen großen Kreuzweg mit Kreuzbergkapelle und Lourdesgrotte.
Die Brüder sind in der Pfarrseelsorge in Ottbergen wie auch in umliegenden Pfarreien eingesetzt. Weiterhin kümmern sie sich um Schwesternseelsorge, Aushilfen in umliegenden Gemeinden und Einkehrtage.
Die Hausgemeinschaft
Werner Schlepphorst (Guardian), Alfons Nillies (Hausvikar), Dietmar Birkwald, Aloysius Müller, Christian Avermeyer, Heinrich Rothaus
Kloster Ottbergen wird spätestens 2013 geschlossen
Die Leitung der Franziskanerprovinz hat die Auflösung des Franziskanerklosters Ottbergen beschlossen. Spätestens im Jahr 2013 werden die Franziskaner den Ort verlassen. Seit 1868 leben und arbeiten in Ottbergen Franziskaner der thüringischen, schlesischen und sächsischen Provinz. In einem offenen Brief erläutert der Provinzialminister Norbert Plogmann den Gemeinden in und um Ottbergen den Entschluss:
An die Schwestern und Brüder im Umfeld unseres Franziskanerklosters in Ottbergen und in den Pfarrgemeinden von Ottbergen, Dinklar, Bettmar, Dingelbe, Nettlingen und Wöhle
Liebe Schwestern und Brüder,
diesen Brief schreibe ich Ihnen in meiner Verantwortung als Provinzial Franziskaner, zu der unser Franziskanerkloster in Ottbergen gehört. Ich möchte Sie auf diesem Weg umgehend über eine Entscheidung informieren, die unsere Provinzleitung auf ihrer Sitzung am 12. November 2009 getroffen hat. Wir haben beschlossen, dass wir unser Franziskanerkloster in Ottbergen spätestens in der ersten Hälfte des Jahres 2013 schließen werden. Mit der Schließung des Franziskanerklosters wird auch unser seelsorglicher Dienst in Ihren Pfarrgemeinden enden. Unsere Entscheidung, Ottbergen zu verlassen, haben wir nach einem längeren Klärungsprozess getroffen. Dazu gehörten Gespräche mit der Bistumsleitung, mit unseren Brüdern in Ottbergen und in den Gremien unserer Ordensprovinz. Natürlich steht allen Beteiligten die Tragweite dieser Entscheidung sehr deutlich vor Augen. Wenn wir Ottbergen verlassen, dann werden die Franziskaner im Bistum Hildesheim nämlich überhaupt nicht mehr präsent sein, denn schon im Herbst 2010 verlassen wir auch das St. Antoniuskloster in Hannover.
Unser Weggang von Ottbergen steht in einer Reihe von anderen Hausauflösungen in den vergangenen Jahren. Zusammen mit anderen Ordensgemeinschaften in Deutschland und mit der ganzen Kirche stehen wir in starken Umbrüchen. Wir können nicht alles weiterführen, was gut gewachsen und lange verwurzelt ist. Uns fehlen die personellen Kräfte, die vorhandenen Lebensräume zu füllen und alle gewachsenen Aufgaben weiter zu führen. Das stellt uns vor die unangenehme Pflicht, Gutes lassen zu müssen, um Gutes zu erhalten. Wir müssen uns auf weniger Orte und weniger Aufgaben konzentrieren.
Ich mache unsere personelle Entwicklung an einigen konkreten Zahlen deutlich: Bei meinem Ordenseintritt im Jahr 1974 zählte unsere Ordensprovinz rund 350 Franziskaner, heute sind es 120 (Stand 2009, Teilgebiet Saxonia der Deutschen Franziskanerprovinz). Das bedeutet: Unsere Ordensprovinz ist in den vergangenen 30 Jahren um mehr als 200 Franziskaner kleiner geworden. Etwa die Hälfte der 120 Brüder ist zudem über 70 Jahre alt. Nicht nur wir Franziskaner müssen mit einer solchen Entwicklung leben. Uns fehlen die jungen Brüder in einem ähnlichen Maße wie der priesterliche Nachwuchs der ganzen Kirche in unseren Breiten fehlt. Ein Bistum kann in einer solchen Notsituation Pfarreien zusammenschließen und eine ganze Region neu organisieren. Eine Ordensprovinz kann das wegen ihrer überregionalen Ausbreitung nicht. Für uns Franziskaner bedeutet eine solche Entwicklung ein gänzliches Loslassen von Orten und Aufgaben, auch wenn viel Verbundenheit mit den Menschen im Umfeld gewachsen ist. Es ist für mich und für alle Verantwortlichen in unserer Ordensprovinz eine schwierige Pflicht, die Entwicklungen realistisch zu bewerten und dann auch die notwendigen Entscheidungen herbeizuführen.
Der Gedanke, das Franziskanerkloster in Ottbergen aufzugeben, ist nicht völlig neu. Als wir im Jahr 2007 auf einer Versammlung unserer Ordensprovinz über unsere Personalsituation und über die Zukunft unserer Häuser in Nord- und Ostdeutschland beraten haben, da wurde schon sehr deutlich, dass das Franziskanerkloster in Ottbergen in absehbarer Zeit zur Disposition stehen könnte. Jetzt ist aus unserer Sicht der Zeitpunkt gekommen, eine Entscheidung zu fällen und sie auch zu veröffentlichen. Warum? Im Jahr 2014 wird bei Ihnen die Fusion Ihrer Pfarrgemeinden anstehen. Dann werden alle Franziskaner vom Kloster Ottbergen 70 Jahre und darüber sein. Keiner von ihnen könnte in Ihrer neuen Pfarrei einen verantwortlichen Dienst übernehmen. Gleichzeitig müsste die Hausgemeinschaft des Klosters mit jüngeren Brüdern verstärkt werden, um lebensfähig und tragfähig zu bleiben. Diese jüngeren Brüder stehen uns aber nicht zur Verfügung. Nun würde es sich anbieten, das Franziskanerkloster im Jahr 2014 zu schließen, aber dieser Zeitpunkt passt überhaupt nicht zum dreijährigen Versetzungsrhythmus in unserer Ordensprovinz. Deshalb haben wir die Schließung für das Jahr 2013 festgelegt, damit die Franziskaner von Ottbergen in die regulär anstehenden Versetzungen einbezogen werden können. Wir hoffen, dass unsere Brüder, die jetzt in Ottbergen leben, bis dahin ihre Dienste weiter verrichten und ihr gemeinschaftliches Leben aufrecht erhalten können. Sollte einer von ihnen ausfallen, könnte unsere Ordensprovinz nämlich keinen Ersatz stellen. Deshalb haben wir die Auflösung des Franziskanerklosters auch sehr bewusst für ‚spätestens‘ 2013 beschlossen.
Normalerweise fassen wir solche Beschlüsse nicht mehrere Jahre im Voraus. Aber es erschien uns notwendig, unsere Entscheidung jetzt zu fällen und sie umgehend zu veröffentlichen, weil das für alle Beteiligten Planungssicherheit schafft: Das Bistum Hildesheim kann rechtzeitig damit beginnen, die Neubesetzung der Pfarrstellen ins Auge zu fassen und als Eigentümer des Klosters die weitere Verwendung der gesamten Liegenschaft zu bedenken. Bei den Beratungen in Ihren Pfarreien können Sie nun sicher davon ausgehen, dass die Franziskaner ab Mitte 2013 nicht mehr für den seelsorglichen Dienst bei Ihnen zur Verfügung stehen. Die Leitung unserer Franziskanerprovinz kann sich bei ihren Planungen darauf einstellen, dass das Franziskanerkloster in Ottbergen nicht neu besetzt werden muss. Nicht zuletzt haben auch unsere Brüder in Ottbergen nun Gewissheit über ihre Perspektiven.
Liebe Schwestern und Brüder, es ist uns nicht leicht gefallen, eine Entscheidung von solcher Tragweite zu fällen. Den Einschnitt im Jahr 2013 muten wir nicht nur Ihnen zu, sondern auch uns selbst. Das macht nicht nur Sie traurig, sondern auch uns selbst. Den Gedanken, eventuell noch etwas länger als 2013 in Ottbergen zu bleiben, haben wir aus den oben genannten Gründen wieder verworfen. Aus unserer Sicht ist eine gänzliche Trennung vom Franziskanerkloster sinnvoller, als vielleicht für wenige weitere Jahre zu erleben, dass unser Dienst und unser Leben in Ottbergen immer schwächer wird und langsam vergeht.
Bei dem Gedanken an unseren Weggang von Ottbergen spüren wir sehr wohl, dass wir Franziskaner viele Menschen verlassen werden, die uns nahe stehen oder wohlwollend zu uns stehen. Für das gewachsene Vertrauen und für die fruchtbare Weggemeinschaft in Ottbergen und Umgebung sind und bleiben wir sehr dankbar. Gleichzeitig bitte ich um Ihr Verständnis für unsere Entscheidung. Ich vertraue darauf, dass wir die gemeinsame Wegstrecke, die für die nächsten Jahre noch vor uns liegt, weiterhin im gegenseitigen Wohlwollen gehen können.
Mit Franz von Assisi wünsche ich Ihnen Frieden und Heil,
P. Norbert Plogmann OFM
Provinzialminister
Franziskanerkloster Ottbergen:
- 1810 Der ehemalige Zisterziensermönch Johannes Georg Vorwerk aus dem aufgehobenen Kloster Derneburg wird Pfarrer in Ottbergen. Er erwirbt ein Grundstück und baut darauf ein „Kirchlein“ und Wohnungen für Mönche.
- 1852 Johannes Georg Vorwerk, jetzt Dechant von Ottbergen, schenkt Grundstück und Gebäude dem Bischof von Hildesheim „mit dem Zwecke einer Niederlassung für Kapuziner oder andere Mendikanten.“
- 1853 Das Kloster wird von den Kapuzinern übernommen.
- 1863 Die Kapuziner verlassen Ottbergen auf Drängen ihres Ordensgenerals.
- 1868 Die ersten 5 Franziskaner der Provinz Thuringia beziehen auf Bitten des Hildesheimer Bischofs das kleine Kloster in Ottbergen.
- 1875 Aufhebung im preußischen Kulturkampf
- 1887 Wiedereröffnung mit 3 Franziskanern
- 1891 Die bisherige Residenz wird zum Konvent erhoben. Es wird ein Studienkurs eingerichtet.
- 1894 Ottbergen dient bis 1900 als Hochschule der Provinz für die philosophischen Studien
- 1896 Bau des östlichen Gebäudetrakts.
- 1897 Abriss der alten Gebäude und Ausbau zum heute bestehenden Gebäudekomplex (-1900)
- 1900 Grundsteinlegung und Bau der neuromanischen Klosterkirche
- 1901 Noviziat der Provinz Thuringia (-1918)
- 1904 Weihe der Kirche durch Bischof Bertram; Patron ist Hl. Johannes der Täufer.
- 1918 Schule für Spätberufene
- 1930 Zubringerschule für das Kolleg in NL – Watersleyde (-1938)
- 1941 Ausweisung der Franziskaner und Schließung des Klosters.
- Die Gebäude werden vom weiblichen Arbeitsdienst übernommen.
- Im weitern Verlauf des Krieges wird das Kloster als Lazarett genutzt.
- 1945 Die Kirche wird wieder geweiht. Die Franziskaner der Provinz Thuringia kehren zurück.
- 1946 Die Provinz Thuringia stellt Kloster und Schule den heimatvertriebenen Franziskanern der Provinz Silesia zur Verfügung.
- 1946 Pro-Gymnasium
- 1971 Schule und Internat werden geschlossen.
- 1986 Aufhebung der Provinz Silesia und Eingliederung in die Provinz Saxonia
Kontakt
Franziskanerkloster Ottbergen
Klosterstr. 11
31174 Schellerten
Tel.: 05123 / 42 66
Fax: 05123 / 40 89 15
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