Als Wanderbrüder gehört es für Sie dazu, nicht ihr Leben lang an einem Ort zu verweilen, sondern immer Bereit zu sein, sich neuen Aufgaben zu stellen. Alle drei Jahre beraten die Brüder wo sie wirken wollen, können und müssen, und wer von ihnen dies am besten leisten kann und möchte. Im Herbst/Winter 2010 ist es wieder soweit.
In diesen Tagen wird die sogenannte „Kapitelstafel“ veröffentlicht, auf der alle anstehenden Versetzungen bekannt gegeben werden. Einige Brüder der deutschen Provinz werden in diesem Zuge versetzt und werden eine neue Aufgabe übernehmen. Vier stellen wir hier vor.
Bruder Frank wird neuer Pfarrer in Mannheim

- Bruder Frank Hartmann OFM
Wie Bruder Frank seine neue Aufgabe als Pfarrer sieht
Soweit ich weiss, leitet sich das Wort Pfarrei ab vom griechischen Wort par oikia: „neben dem Haus“. - Dann ist Pfarrer kein Titel, sondern ein Tu-Wort, ein Auftrag.
Ein Hingehen zu denen, die neben dem (Pfarr-)Haus wohnen- den Nachbarn: Kinder, Jugendliche, „junge Erwachsene“, Frauen und Männer in verschiedenen Lebensabschnitten, aus verschiedenen Kulturen, Konfessionen und auch Religionen, jede und jeder mit einer eigenen Geschichte. In gespannter Erwartung freue ich mich auf ein Stück Weltkirche vor Ort. Welche Aufgaben sich daraus für mich konkret ergeben, kann ich jetzt noch nicht abschätzen. Doch ich freue mich auf viele Begegnungen und Kontakte!
„Neben dem Haus“ steht die grosse Pfarrkirche St. Bonifatius und ein wenig weiter St. Bernhard – geistliche Mittelpunkte der Gemeinde. Orte der gemeinsamen und persönlichen Gottessuche und –begegnung. Orte auch des gemeinsamen Lernens und Räume für Ideen. Gemeinsam mit vielen Engagierten empfinde ich es als zentrale Aufgabe, diese KirchenRäume auch weiterhin so zu gestalten, dass Menschen dort ihre geistliche Heimat haben und Sinn erfahren - in unterschiedlichen, auch überkonfessionellen Gottesdiensten, die verschiedenen Glaubensstilen gerecht werden.

Dazu gehört für mich auch, Menschen zu motivieren Verantwortung wahr zu nehmen und umzusetzen. Und natürlich werden die laufenden Geschäfte, das, was in einer Gemeinde in Abstimmung mit den verschiedenen Gremien zu regeln ist, zu meiner Tätigkeit dazu gehören. Doch Gott sei Dank muss ich dies und vieles andere nicht allein tun! Ich vertraue auf gelingende Arbeit im Team.
Zusammengefasst finde ich meine und die Aufgabe der Gemeinde im Buch Micha:
“Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, behutsam den Weg gehen mit deinem Gott (6,8).
Frank Hartmann, Jahrgang 1965, aufgewachsen in Xanten/Niederrhein, 1988 Eintritt in den Orden, Studium der Theologie in Münster und Murcia (Spanien), 1993 Feierliche Profess, 1995 Priesterweihe, bisher tätig in Paderborn, in der Pfarrseelsorge der Gemeinde St. Ludwig in Berlin, im Jugendgästehaus der Provinz in Rheda-Wiedenbrück. In den letzten drei Jahren missionarischer Einsatz auf Kuba.
Bruder René geht zum Studium nach Jerusalem
In Kürze wird der Theologiestudent Bruder René Walke von München nach Jerusalem umziehen. Denn nach einer alten Tradition besteht für Franziskaner die Möglichkeit, im dritten Jahr des Theologiestudiums für zwei Semester an eine Universität ins Ausland zu wechseln. Nach langen Überlegungen hat René sich für Jerusalem entschieden. Zunächst zog es ihn eigentlich zu noch entfernteren Orten, wie etwa Bangalore in Indien oder Nairobi in Kenia / Afrika.
Diese Länder hatten ihn schon damals interessiert, als er vor acht Jahren, noch vor seinem Ordenseintritt, die Vorbereitung zu einem Auslandsjahr als „Missionar auf Zeit“ (MaZ) absolvierte. Zu dieser Zeit arbeitete René als Krankenpfleger in der Psychiatrie und las zum ersten Mal das Evangelium. Dies war für ihn wie eine Art persönlicher Begegnung mit Jesus Christus und der Beginn einer grundlegend neuen Etappe in seinem Leben. Durch das MaZ-Projekt hat er dann auch den Weg in die katholische Kirche wieder gefunden.
„Denkt man bei einer Etappe vielleicht als erstes an ein Radrennen, so kann ich sagen, dass ich kaum selber treten musste, sondern einen Antrieb von oben hatte. Noch nicht einmal die Lenkung war ganz in meiner Hand. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit. Letztendlich mündete sie darin, dass ich mich nach einer katholischen Ordensgemeinschaft umgeschaut habe und nun seit sechs Jahren Franziskaner bin“, erzählt Bruder René.
Auch im Orden hat er die unterschiedlichsten Etappen genommen: 2003 war er für ein Jahr ein sogenannter „Kandidat“, der in regelmäßigen Treffen mit dem für die Berufungspastoral beauftragen Bruder langsam die Brüdergemeinschaft kennengelernt hat, anschließend war er Postulant mit verschiedenen Aufgaben in Wangen und Berlin. Darauf folgte das Noviziat in Nürnberg, dann drückte er für zwei Jahre erneut die Schulbank, um das Abitur nachzuholen. Daraufhin begann er in München sein Theologiestudium.
René ist zurzeit in Assisi, um in der Heimat des Ordensvaters Franziskus, Italienisch zu lernen. Das ist notwendig, um als Franziskaner in Jerusalem Theologie studieren zu können. Denn die "Amtssprache in den Klöstern und an der Universität ist Italienisch. Was ihn in Israel erwartet, weiß er aber noch nicht genau. Die Berichte über das Heilige Land sind sehr unterschiedlich - einige schwärmen und andere schütteln den Kopf über die Entscheidung, freiwillig in dieses von Konflikten geprägte Land zu gehen.
„Ich versuche, meine eigenen Erfahrungen zu machen und gehe mit einer gewissen spirituellen Erwartung, etwas Abenteuerlust, ein wenig wissenschaftlicher Neugier und einer großen Portion Vorfreude darauf, Brüder aus aller Welt und Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion kennenzulernen. Mein Traum ist es, am See Genezareth zu sitzen und, wenn es mir schon nicht möglich ist, über den See zu gehen, so doch wenigstens im Evangelium die Begebenheiten rund um diesen See zu lesen und ein wenig zu erleben“, freut sich Bruder René.
Er wird in unmittelbarer Nähe der Grabeskirche wohnen. Dies wird ihm eine stetige Erinnerung daran sein, dass zu allen unseren Etappen das Kreuz gehört - sein eigenes, das es anzunehmen und zu tragen gilt, und das Kreuz Jesu, durch das er die ganze Welt erlöst hat.
Br. Pascal: Mit den Sternen unterwegs
Schwungvoll setzt die freundliche Frau, der ich gegenübersitze, den Stempel – und nun lachen mich aus meinem Personalausweis der Mond und die Sterne an, das Stadtwappen von Halle an der Saale. Mit diesem Begrüßungszeichen in der Tasche lebe ich jetzt als eingefleischter Bayer in Sachsen-Anhalt und im Kernland der Reformation!
Als Mission haben Mitbrüder meinen Aufbruch in den Osten schon humorvoll bezeichnet und mir Mut bestätigt und für alle Fälle noch einmal zugesprochen. Bei einem Katholikenanteil von gerade einmal 3 Prozent der Gesamtbevölkerung (Protestanten ca. 12 Prozent) und somit einem Großteil der Menschen, die sich selbst als „nischt“, d.h. nichtreligiös bezeichnen, ist diese Reaktion auch nachvollziehbar.
Lebendiges kirchliches Leben in Ostdeutschland
Trotzdem gibt es eine lebendige Kirche in Ostdeutschland, die eine feste Größe im gesellschaftlichen Leben darstellt, auch wenn das Christsein dort etwas Besonderes, ja Exotisches ist. Das ist für mich, der ich aus dem niederbayerischen Rottal stamme, wo katholisch zu sein so natürlich ist wie die Luft zum Atmen und kirchliches Leben selbstverständlich viele Facetten des Alltags durchdringt, schon ein ganz neues Lebensgefühl. Die Diaspora, also dass Christen und Katholiken eine gesellschaftliche Minderheit darstellen, hat aber auch ihre Kehrseite. Diese wird mir v.a. dann bewusst, wenn ich mir vor Augen stelle, wie Christen in der ehemaligen DDR vierzig Jahre lang unterdrückt und benachteiligt wurden. Wer sich zu seiner Religion bekannte, hatte dafür schwerwiegende Beeinträchtigungen in Kauf zu nehmen, galt als rückständig und musste so manchen Spott und Hohn einstecken.
Gemeindeleben ist regional unterschiedlich
Heute ist der gescheiterte Sozialismus ein Teil der Geschichte dieses Land und seine unschönen Hinterlassenschaften prägen das Bild, das sich viele Menschen vom Osten Deutschlands machen. Doch sicherlich hat er die Christen in Ostdeutschland in ihrem Profil auch geschärft. Die verstreuten Gläubigen rückten näher zusammen und hielten zusammen. Der gemeinsame Glaube stiftete so ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, schenkte Heimat und prägte die Identität der Menschen. Wer sich zur Kirche bekannte, tat das als bewusste Entscheidung und schwamm damit gegen den Strom. Davon ist auch heute, 20 Jahre nach der Wende, noch manches spürbar und ich habe selbst schon erfahren (z.B. bei einem Gemeindepraktikum in Gera/Thüringen), dass es in Punkto Gemeindeleben einen Unterschied zwischen West - und Ostdeutschland gibt. Auch das ist für mich ein neues und positives Lebensgefühl mit dem ich jetzt in Halle anfange, v.a. auch dann, wenn ich meine ersten Gemeindeerlebnisse in unserer Pfarrei St. Franziskus mit einbeziehe. Dort starten wir nun als Gemeinschaft von fünf Brüdern einen Neubeginn.
Neuanfang in Halle
Franziskaner gab es in Halle bis zur Reformationszeit. Nach einer langen Pause kamen sie 1929 als die ersten Ordensleute wieder zurück, um im Arbeiterviertel der wachsenden Südstadt eine Pfarrei aufzubauen und als Seelsorger für die Menschen da zu sein. Die Jahrzehnte danach mögen Höhen und Tiefen gebracht haben, doch die DDR-Provinz der Franziskaner hat im real existierenden Sozialismus durchgehalten und sich schließlich mit der Sächsischen Franziskanerprovinz vereinigt. Seit Juli 2010 gehören alle Franziskaner in Deutschland zu einer einzigen Provinz und das Haus in Halle ist so etwas wie ein interprovinzieller Neuanfang. Damit setzt die Deutsche Franziskanerprovinz in Ostdeutschland einen neuen Schwerpunkt, den es so vorher nicht gab. Das bringt viele Chancen und einen weiten Gestaltungsfreiraum mit sich – und ich spüre bei mir die Freude am Gestalten und Anpacken. Welche Akzente wollen wir als Bruderschaft hier setzen? Wie soll unser Leben als geistliche Gemeinschaft gestaltet sein, wie unsere Seelsorgetätigkeit in der Pfarrei St. Franziskus, die kürzlich aus vier weitauseinanderliegenden Gemeinden gebildet wurde? Das und vieles mehr sind Fragen, die uns fünf Brüder in den nächsten Monaten und darüber hinaus beschäftigen werden.
Mit 50 % Schulseelsorger für drei Schulen in Halle
Zu meinen Aufgaben gehört auch die Seelsorge an drei Schulen, deren Schüler aus Halle und dem weiteren Umkreis kommen. Mir wird erst so nach und nach richtig bewusst, wie weit damit der Kreis der Menschen gezogen ist, die in den nächsten Jahren mit uns Franziskaner-Brüdern in Berührung kommen können. Die Schulseelsorge ist für mich grundsätzlich zunächst einmal etwas Neues. Dafür habe ich bis jetzt zwar viele Ideen gesammelt aber ein richtiges Konzept werde ich erst zusammen mit den Schulverantwortlichen erarbeiten. Dabei bin ich mir sicher, dass mir meine Erfahrungen aus vier Jahren Jugendseelsorge an unterschiedlichen Orten und Kontexten eine gute Hilfe sein werden.
Kirche ist Mission – in Ost und West
Ja, und da war doch noch der Spruch „ah du gehst jetzt als Missionar nach Ostdeutschland“, den ich zusammen mit einem freundlichen Schmunzeln in den letzten Wochen oft gehört habe. Dabei werden zwar die wenigen aber dafür gestandenen Christen im Osten leicht übersehen, dennoch liegt mir der Gedanke der Verkündigung sehr am Herzen. Ist doch Kirche immer und überall, ja von Natur aus eine missionarische Kirche und der „Sinn“ des Franziskanerordens die Evangelisation.
Für uns als Franziskaner habe ich den persönlichen Wunsch, dass wir für die Menschen in Halle zuallererst einmal als geistliche Bruderschaft erlebbar werden, noch vor dem Profil eines jeden einzelnen Mitbruders selbst. Denn als eine Gemeinschaft, die selbst auf dem Weg und auf der Suche ist und darum ringt tatsächlich brüderlich und geistlich miteinander zu leben, haben wir sicher die größte Ausstrahlung und können unseren missionarischen Auftrag am glaubwürdigsten erfüllen.
Immer wieder am Evangelium neu werden
So verstanden bedeutet Evangelisation, uns als Bruderschaft immer wieder zuallererst selbst am Evangelium zu orientieren und auszurichten. Die Art und Weise, wie wir als die „Franziskaner von Halle“ dann leben, arbeiten und beten, kann zum Zeichen für die Gegenwart Christi werden. Unser Leben als geistliche Gemeinschaft ist dann so etwas wie ein christliches Ferment in einer Gesellschaft, die in ihrer überwiegenden Mehrheit Gott nicht mehr kennt; Gott kann bewirken, dass es wächst und sich ausbreitet.
Eine engagierte und nachdenkliche Frau aus unserer Gemeinde sagte mir neulich: „Der Großteil der Menschen im Osten lebt ohne Gott und es fehlt ihnen nichts dabei“. Dabei ist für mich nur zu gut nachvollziehbar, dass den Menschen das nicht fehlen kann, was sie gar nicht kennen. Von Gott zu erzählen und seine menschenfreundlichen Liebe praktisch nachzuvollziehen, den Glauben erfahrbar werden zu lassen und die Menschen das große Plus des Christseins erleben zu lassen, das sehe ich als meine Kernaufgabe und Berufung an. Von Franziskus möchte ich dabei noch viel besser lernen, mit dem Evangelium immer wieder zuerst bei mir selbst anzufangen und so wie er, die Menschen in Freude und Fröhlichkeit zur Liebe Gottes zu führen (Em 20).
Br. Pascal Sommerstorfer
Jahrgang 1975, geboren und aufgewachsen in Eggenfelden/Rottal-Inn. Eintritt in den Orden 2005. Bisherige Tätigkeiten: Jugendarbeit der Bayerischen Franziskanerprovinz, Jugendseelsorger für die Dekanate Bad Tölz und Wolfratshausen, Jugendseelsorger und Kaplan in München/St. Anna.
Mein Weg zu den Franziskanern fing mit einem Tau-Kreuz an. Zum Weihnachtsfest 2007 bekam ich von meiner Gemeindereferentin einen Kalender mit einem solchen Kreuz geschenkt. Diese Kreuzform war für mich neu, sodass ich mich auf die Suche nach erklärenden Informationen machte – und dabei auf Franziskus stieß. Ich war sofort begeistert von der Bewegung dieses Armen aus Assisi und verschlang Bücher, Filme usw. Auf dem Katholikentag in Osnabrück 2008 traf ich dann einen Kapuzinerbruder, mit dem ich längeren Briefkontakt pflegte. Ich fragte ihn nach franziskanischen Niederlassungen in der Nähe meines Heimatortes und kam so zum Hülfensberg und zu den Franziskanern. Es war Liebe auf den ersten Blick: der geschwisterliche Umgang miteinander, die Verbundenheit mit der Natur, der gute Sinn für das Heilige und vor allem die Nähe zu den Menschen waren dabei die ausschlaggebenden Aspekte für meine Entscheidung, mich beim Provinzialminister vorzustellen und um Zulassung zum Postulat zu bitten. Auch als Novize finde ich es spannend auf franziskanische Art Jesus nachzufolgen. Mein Wunsch für das weitere Ordensleben ist es einfach in dieser spannenden Nachfolge zu bleiben.
Noviziat
Bruder Antonius ist der Novize der Deutschen Franziskanerprovinz. Nach einer Phase des Kenntenlernens hat er sich im September für ein Jahr verpflichtet, als Franziskaner zu leben. In Wiedenbrück lernt er den Orden, seine Geschichte und seine Spiritualität. Begleitet wird er dabei von Bruder Martin Lütticke. Nähere Informationen zum Noviziat und zu den Stationen beim Ordenseintritt lesen Sie bitte hier.







