Weblog vom Generalkapitel beendet
20. Juni 2009 - Webmaster
Die vier Blogger aus Assisi verabschieden sich mit einem Abschiedfoto vom festlichen Mittagessen zum Ende des Generalkapitels. Vier Wochen haben Bruder Maximilian aus München, Bruder Franz-Leo aus Euskirchen, Bruder Norbert aus Hannover und Bruder Markus aus Frankfurt vom Generalkapitel in Assisi berichtet.
Seit dem 24. Mai haben die vier delegierten Brüder aus den vier deutschen Provinzen mehrmals täglich über den Fortgang der Verhandlungen berichtet, wichtige und unwichtige Details aus dem Umfeld der Versammlung erzählt, Hintergrundinformationen gegeben, Brüder aus fernen Ländern portraitiert und ihre persönlichen Eindrücke vom großen Treffen wieder gegeben. Sie haben damit ein interessantes und Spannendes Mosaik des Generalkapitels gelegt sowie Brüder und Interessierte Besucherinnen und Besucher der Homepage am Generalkapitel teilhaben lassen.
Herzlichen Dank an die Blogger für ihr Engagement, für ihre dem Blog geopferten Sitzungspausen und ihre Bereitschaft, den Leserinnen und Leser an ihrer persönlichen Sichtweise teilhaben zu lassen.
Geht und verkündet der ganzen Welt das Evangelium
20. Juni – Bruder Markus Heinze
Mit diesen Worten wurden wir von unserem Generalminister José Rodriguez Carballo in einem festlichen Abschlussgottesdienst entlassen. Bevor wir jedoch uns jedoch auf den Weg in die jeweilige Heimat machten, gab es erst noch ein festliches Mittagessen in dem Speisesaal der Franziskaner von Portiunkola .
Rückblickend auf die vier Wochen des Kapitels gilt es vor allem Danke zu sagen. Ein lang-anhaltender Applaus drückte den Dank an den Kapitelssekretär Francesco Patton aus, der das Kapitel auf hervorragende Weise durch die ganze Arbeit führte. Man sagt ihm nach, er sei der deutscheste Italiener der Franziskaner.
Neben dem Dank an all die Brüder, die auf die eine oder andere Weise zum Gelingen des Kapitels beitrugen, wurde freilich auch am Tag zuvor kritisch auf die Kapitelstagung zurückgeblickt.
Eine der größten Schwachstellen war wohl der zu enge Blick auf uns selbst, und dass zu wenig die Gesellschaft mit ihren Fragen und Herausforderungen in Betracht gezogen wurden. Dies bleibt wohl die Frage, die wir mit nach Hause nehmen sollten, wenn wir uns als Boten des Evangeliums sehen, oder wie es das Abschlussdokument sagt, als „Beschenkte des Evangeliums“: Wie können wir in den verschiedenen Gesellschaften und Kulturen unserer Zeit das Evangelium glaubwürdig verkünden?
Die positivste Erfahrung war wohl die Erfahrung der Gemeinschaft selbst, die Brüderlichkeit in der wir einander begegneten und der kulturelle Reichtum, den wir als internationale und multikulturelle Gemeinschaft darstellten.
Bleibt zu hoffen, dass es uns als Minderbrüder gelingt, an den verschiedenen Orten der Welt in einen echten Dialog mit den Menschen und Kulturen unserer Zeit zu treten, und im gemeinsamen Mühen mit allen Menschen guten Willens am Reich Gottes zu bauen.
Bruder Paul aus Australien

20. Juni – Bruder Maximilian Wagner
Von jedem Kontinent wollte ich einen namhaften Vertreter hier beim Generalkapitel vorstellen. Australien ist noch eine sehr junge Provinz und hat trotz mehrerer Länder bisher nur einen Provinzial trotz der riesigen Fläche, die das Provinzgebiet umfasst.
Paul Smith (55) ist seit 2007 Provinzial der Hl.-Geist-Provinz von Australien/ Neuseeland mit ca. 120 Brüdern und 24 Konventen, wenn man noch die von seiner Provinz abhängige Kustodie Singapur/ Malaysia mit etwa 35 Mitbrüdern hinzuzählt. Geografisch gesehen hat er eine Mammutprovinz zu regieren.
Die Hauptaufgaben in seiner Provinz sind Pfarreien, Unterricht an verschiedenen Schulen und kategoriale Seelsorge in Krankenhäusern, für Emigranten und Straßenkinder. Einige Brüder sind Missionare in Papua Neu Guinea und im Hl. Land, seit kurzem auch in Thailand, in den Philippinen, Japan, Uganda, Kenia und Zambia.
1870 kamen irische Franziskaner nach Neuseeland, um sich zunächst um eigene Siedler in den Slums um Sydney zu kümmern und dort die erste franziskanische Präsenz des Ordens einzupflanzen.
1904 traten die ersten Australier in den Orden ein, und 1939 wurde Australien unabhängige Kustodie. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Brüder ausgesandt, eine eigene Mission zu übernehmen. So kamen 1939 weitere irische Brüder nach Neuseeland, um das Werk ihrer Vorgänger fortzusetzen. 1946 füllten erste Missionare aus Australien in Papua Neu Guinea die Lücken, die dort der Krieg hinterlassen hat. 1969 übernahm die junge Provinz zunächst eine Pfarrei und dann die Ausbildung junger einheimischer Mitbrüder in der Kustodie Singapur und Malaysia.
Das Orakel von Assisi
20. Juni – Maximilian Wagner
Jeder kennt das legendäre Orakel von Delphi, das seiner Zeit wegweisende Antworten gab auf Fragen, die die Zukunft betreffen. Dem Bittsteller war dabei nicht ganz klar, woher das Orakel so gut über ihn Bescheid wusste, aber er sah in der meist recht mysteriösen Antwort auf seine Frage irgendwie sein Schicksal vorherbestimmt und konnte es so annehmen.
Wie bringt man 153 Kapitulare dazu, eine Abstimmung in geheimer Wahl abzugeben, ohne dass langwierig handgeschriebene Zettel ausgefüllt werden müssen? Dafür gibt es ein elektronisches Abstimmungsgerät, mit welchem man sein Votum abgibt. Ein Computer zählt dann die abgegebenen Stimmen aus und offenbart das Ergebnis des Orakels.
Im ersten Wahlgang bedarf jeder Vorschlag, um angenommen zu werden, einer qualifizierten Mehrheit von 2/3 aller Stimmen. Natürlich kann mit derselben Mehrheit ein Vorschlag auch gleich beim ersten Wahlgang definitiv abgelehnt werden. Ist beides nicht der Fall, muss sich derselbe Vorschlag einem zweiten Wahlgang stellen, bei dem die absolute Mehrheit von mehr als 50% aller Stimmen für seine Akzeptanz bzw. Ablehnung ausreicht. Ist auch das nicht der Fall, gilt der Vorschlag als abgelehnt.
Beim ersten Wahlgang sind noch Rückfragen und Diskussionen zugelassen, aus denen sich dann gelegentlich eine Abstimmung „iuxta modum“ ergibt, d.h. dass der Antrag leicht abgeändert wird. Das z. B. ist mir gestern passiert.
Die Finanzkommission hatte vorgeschlagen, dass der Bericht des Generalökonomen vor der Kommissionsarbeit in der dritten Woche vorgestellt werden muss. Ich hatte bereits vor den Wahlen der neuen Generalleitung moniert, dass zur Entlastung der scheidenden Regierung der Generalökonom seinen Bericht vorgelegt hat. Daher musste ich schriftlich beim Kapitelssekretär einen neuen Vorschlag einreichen, der dann von mindestens 54 Kapitularen zu unterzeichnen war. In der Kaffeepause gelang es mir, sowohl einen neuen Antrag auszuhängen als auch die nötige Anzahl der Unterschriften einzuholen. Heute entschied sich dann die Mehrheit für meinen Vorschlag.
Das Orakel von Assisi hat gesprochen und viele wegweisende Vorschläge auf den Weg gebracht.
Zum Schluss sei noch bemerkt, dass diese Art abzustimmen, durchaus dem Spieltrieb des Italieners an sich entgegenkommt. Inwieweit der Hl. Geist bei solchen Abstimmungen eine echte Chance bekommt, das weiß außer ihm als dem heimlichen Generalminister des Ordens wohl niemand zu beantworten.
Maler und Poet: Bruder Eulalio

- Buchtitel
20. Juni – Bruder Maximilian Wagner
Neulich hat er am Abend in einem feierlichen Festakt sein neuestes Buch „Fraterna creación: color y poema“ (Brüderliche Schöpfung: Farbe und Poesie) den Kapitularen vorgestellt, das er anlässlich des 800jährigen Jubiläums unseres Ordens herausgegeben hat. Es enthält neben wunderschönen Naturzeichnungen geistreiche Gedichte des Autors.
Eulalio Gómez Martínez (65), seit 2005 Provinzial der Provinz San Pedro y San Pablo in Querétaro (Mexiko) mit ca. 270 Brüdern, pflegt sein Hobby als Maler und Poet auf hohem Niveau. Auch auf dem Generalkapitel hat er gelegentlich ein Gedicht verfasst und zur allgemeinen Erheiterung ausgehängt.
Eines beginnt folgendermaßen: „Sie kommen von vielen Klöstern der Welt dorthin, wo die Welt ein offenes Kloster wird …“ (aus dem Spanischen übersetzt).
Seit 2007 ist er Präsident der lateinamerikanischen Franziskanerkonferenz S. Maria de Guadalupe für die Gebiete Zentralamerika, Panama und Karibik.
Wer die Lateinamerikaner kennt, der weiß auch, dass es ihnen nicht schwer fällt, bei einer brüderlichen Rekreation ihre Lieder zum Besten zu geben und gelegentlich auch dazu zu tanzen. Eulalio sorgt mit seinen Bildern und seiner meditativen Poesie darüber hinaus dafür, dass es auf dem Generalkapitel noch eine andere Dimension gibt als Statutenänderungen, Vorschläge und das Schlussdokument abzustimmen. Vielleicht würde ein Bild oder ein Gedicht von ihm die Brüder auf der ganzen Welt eher motivieren und begeistern, wer weiß?!
Das Schlussdokument
19. Juni – Franz-Leo Barden
Jedes Generalkapitel hat das Bedürfnis, die Ergebnisse der wochenlangen Arbeit in einem Schlussdokument zusammenzufassen, um die Brüder und alle Interessierten über die Ergebnisse zu informieren und vielleicht auch, damit man so auf wenigen Seiten zusammengefasst eine gemeinsame Grundlage der zukünftigen Arbeit und eine schriftliche fixierte Erinnerung an die Inhalte und Resultate dieser Tage hat.
Wie entsteht nun ein solches Dokument? So einfach ist dies nicht. Da gibt es zunächst einmal eine eigene Kommission: Marcel Kangwej Tshikez aus dem Kongo, Cesare Vaiani aus Italien und Manuel Espinosa Anaut aus Mexiko. Diese drei haben den Bericht des Generalministers und die Berichte der Präsidenten der Konferenzen sorgfältig studiert. Während der ersten Wochen des Generalkapitels haben sie die Diskussionen in der Aula wie in den Gruppen, sowie die Ergebnisse und Vorschläge, die erarbeitet wurden aufmerksam verfolgt und eng mit der Kapitelsleitung zusammengearbeitet. Dann haben Sie zu Beginn der Woche den ersten Formulierungsvorschlag für den Hauptteil des Dokuments vorgelegt. Es ist ein schwieriges Unternehmen: Treffen sie den richtigen Ton? Fassen sie die wichtigen Punkte gut zusammen? Legen sie die richtigen Schwerpunkte?
Die erste Lesung des Dokuments offenbart, dass dies gut gelungen ist. Es gibt natürlich eine Menge von zusätzlichen Vorschlägen, von Vorschlägen für Änderungen von Formulierungen etc. Aber insgesamt ist das Kapitel sehr zufrieden. Erschwert wird die Arbeit natürlich durch die Notwendigkeit, das Dokument zu übersetzen. Manches, was im Italienischen gut klingt, ist im Englischen nur schwer auszudrücken.
Aus den Rückmeldungen entsteht die überarbeitete Fassung des Dokuments für die zweite Lesung, jetzt auch mit der Einleitung und dem Schlussteil. Das Kapitel hat sich ausdrücklich nur ein kurzes und kompaktes Dokument gewünscht. Am Ende sind es in der englischen Fassung gut 8 Seiten (ohne Fußnoten).
In der dritten Lesung gestern gibt es schließlich auch einen Vorschlag für den Titel: "Bearers of the gift of the gospel" (vielleicht am besten zu übersetzen: "Wir tragen das Geschenk des Evangeliums"). Damit ist das Hauptthema des Kapitels wie des Schlussdokumentes angesprochen: unser Auftrag, das Evangelium zu leben und zu verkünden.
Diesem Schlussdokument werden dann die vielen Vorschläge, Anträge und Statutenänderungen angefügt, an deren Abstimmung wir an diesem letzten Tag des Kapitels noch arbeiten.
Mir scheint, die drei Brüder der Kommission haben eine gute Arbeit geleistet. Mit großer Mehrheit ist das Schlussdokument gestern approbiert worden. Und ich glaube, es ist ein Dokument, mit dem wir gut in der nächsten Zeit werden arbeiten können.
Gespräch mit der Generalleitung

19. Juni – Bruder Franz-Leo Barden
Gestern (Donnerstag) Abend stand für unsere Konferenz (COTAF) nach einem anstrengenden Tag voller Abstimmungen noch ein besonderer Termin auf dem Programm: der Generalminister José Carballo, sein Vikar, Michael Anthony Perry, und unser Generaldefinitor Roger Marschal hatten zum Gespräch eingeladen.
Der Generalminister dankte den Brüdern der COTAF für Ihren Einsatz für den Orden. Er bewundere unsere Stärke, Situationen und Fragen gründlich zu analysieren, gerade auch in den bei uns anstehenden Prozessen von Provinzvereinigungen. Er schätze den einfachen Lebensstil, den er in unseren Häusern erlebt habe.
Er dankte auch ausdrücklich Jakab Varnai, der leider nicht an dem Treffen teilnehmen konnte, für seine Arbeit als Generaldefinitor in den vergangenen sechs Jahren. Er habe sehr eng mit Jakab zusammengearbeitet und sei von ihm sehr gründlich über die Prozesse in unseren Provinzen informiert worden. Zugleich begrüßte er nochmals Roger Marschall und hieß ihn als unseren zuständigen Definitor willkommen.
Im Gespräch mit dem Generalminister wurden dann verschiedene Themen angesprochen: die schwieriger werdende finanzielle Lage des Ordens: auf der einen Seite werden viele Provinzen, die in der Vergangenheit finanziell den Orden stark unterstützen konnten, immer kleiner (wie zum Beispiel in unserer Konferenz) und somit nicht mehr in der Lage sein, soviel zur Finanzierung des Gesamtordens beizutragen. Auf der anderen Seite werden immer mehr Projekte, vor allem auch missionarischer Art, direkt der Ordensleitung unterstellt. Diese Projekte aber kosten Geld. Die Generalleitung sieht dieses Problem und will sich um neue Geldquellen (Fundraising) bemühen.
Wir erzählten über die Prozesse in unserer Konferenz: die Vereinigungen sind nicht nur strukturelle Prozesse. Sie verunsichern auch viele Brüder. Manche fühlen sich geradezu "entwurzelt": manche Häuser, die ihnen lieb waren und sind, müssen aufgelöst werden; die Provinz, die einmal Heimatprovinz war, verschwindet für eine andere, größere Einheit, die noch fremd ist. Der Generalminister ermutigte uns, diesen Gefühlen ausreichend Raum und Wertschätzung zu geben. Das einfachste bei der Vereinigung sei noch, das Dekret auszustellen. Daß die Einheit auch im Kopf und im Herzen ankomme, das brauche viel mehr Aufmerksamkeit und Zeit.
Zugleich haben die Vereinigungen natürlich auch Auswirkungen auf die Konferenzen. Auch hier wird es in den nächsten Jahren Änderungen geben müssen, nicht nur in Mitteleuropa, auch in anderen Regionen des Ordens.
In diesem Zusammenhang macht der Generalminister darauf aufmerksam, er habe manchmal den Eindruck, dass wir von einem "Provinzialismus" zu einem "Konferenzialismus" kämen. Damit meine er, dass die Konferenz immer mehr als "Identifikationseinheit" erfahren werde. Er hoffe aber, dass dies schließlich dazu führe, uns vor allem als _Mitglieder des Ordens_ zu erleben und zu begreifen. Das sei eine Frage der Ausbildung. Die älteren Brüder seien stark mit Blick auf die eigene Provinz erzogen worden. Dies könne nicht einfach geändert werden. Wir müssten in der Ausbildung den Blick weiten.
Die dreiviertel Stunde, die wir bei dem engen Zeitplan des Generalministers und des Kapitels zur Verfügung hatten, war schnell vorbei. Der Generalminister konnte in unserem Gespräch live erleben, was unsere Konferenz noch einmal besonders kennzeichnet: die verschiedenen Sprachen: das Gespräch lief in Italienisch ab. Maximilian Wagner übersetze ins Deutsche. Philipp Schillings gleichzeitig ins Französische und Szabolcs Orbán (Transsylvanien) ins Ungarische. Als Benoit Dubigeon in Französisch eine Frage stellte, wurde es sogar noch komplizierter: Philipp übersetzte ins Italienische, Maximilian aus dem Italienischen ins Deutsche etc. "Das ist ein Problem Europas", meinte der Generalminister.
Die Menschen werden schlechter behandelt als Tiere
Generalkapitel besorgt über die Situation in Sri Lanka
19. Juni – Markus Heinze
Über die humanitäre Krise in Sri Lanka berichtet Bruder Budi Yohannes Hernawan aus Indonesien und im Vater Unser, das Bruder Arok aus Indien in tamilischer Sprache vorbetet, gedenken die Brüder des Generalkapitels der Tamilen, die in Sri Lanka derzeit unter Gewalt und Unterdrückung leiden sowie all jener, die in diesem Konflikt getötet wurden.
Bereits gegen Ende des Bürgerkrieges zwischen dem Militär Sri Lankas und der tamilischen Befreiungsarmee LTTE befanden sich hunderttausende von Menschen in einem Flüchtlingscamp zwischen den Fronten. Nachdem dieser Krieg nun ein militärisches Ende zugunsten der Armee Sri Lankas gefunden hat, befinden sich diese tamilischen Flüchtlinge nach wie vor in den Camps und leiden unter Unterernährung und Krankheiten. Auch Franziskanerinnen befanden sich unter den Flüchtlingen und bezeugen die menschliche Tragödie, die dort stattfindet. Die Provinzialin der Franziskanerinnen sagt: „Die Menschen werden schlechter behandelt als Tiere.“
Gleichzeitig werden zahllose Tamilen verhaftet mit dem Vorwurf Mitglieder der Befreiungsarmee LTTE gewesen zu sein. Auch die Gemeinschaft der Franziskaner wurde von dem Militär aufgesucht und die tamilischen Brüder stehen unter militärischer Beobachtung.
Bereits im Dezember 2008 hat Franciscans International in Genf bewirken können, dass eine Sondersitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen einberufen wurde, der sich der Situation in Sri Lanka annahm. Jedoch schloss sich der Menschenrechtsrat der Sichtweise der Regierung Sri Lankas an, dass es sich bei diesem Krieg lediglich um einen internen Konflikt handelt.
Die Franziskanische Familie Sri Lankas bittet die Internationale Gemeinschaft um Unterstützung in folgendem Anliegen:
1. Zugang aller humanitären Nicht-Regierungs-Organisationen zu den Flüchtlingscamps.
2. Das Recht auf Freiheit der sozialen Bewegungen in den Flüchtlingscamps und Schutz der Menschenrechte für vermeintliche LTTE-Mitglieder.
3. Stopp aller Formen von Einschüchterung und Unterdrückung von Verteidigern der Menschenrechte und von Journalisten, die über Menschenrechtsverletzungen berichten.
4. Einrichtung einer internationalen Kommission , die die Menschenrechtsverletzungen der kriegerischen Auseinandersetzungen auf beiden Seiten der Konfliktparteien untersucht.
Bruder José Rodriguez Carballo, Generalminister der Franziskaner, wird im Namen des Ordens einen Brief an entsprechende staatliche und kirchliche Regierungsstellen schreiben.
Wer? Wie? Was?

19. Juni 2009 – Maximilian Wagner
Uns Franziskaner gibt es mittlerweile in 110 Ländern auf der ganzen Welt. Auch im asiatischen Raum gibt es viele Klöster, und die Zahl der Brüder nimmt dort im Gegensatz zu Europa deutlich zu.
Welche Schriftzeichen trägt denn dieser Provinzial auf seinem Rücken? Um festzustellen, ob er aus China, Korea, Vietnam, Indonesien, Philippinen, Taiwan oder Japan kommt, schaute ich erst einmal die Person von vorne an und entdeckte auf dem Namensschild: Paulus Hasegawa aus der Provinz der heiligen Märtyrer in Japan.
Hadrian Koch, der Provinzial der Thuringia (Fulda), hätte ihn natürlich sofort erkannt und wohl auch die Schriftzeichen als japanische identifizieren können, denn vor über 100 Jahren gründete seine Provinz in Hokkaido in Japan eine eigene Missionsstation.
Wer das T-Shirt von vorne gesehen hat, weiß auch, was die geheimnisvollen Schriftzeichen hinten bedeuten.: 800 Jahre Franziskaner OFM. Das T-Shirt der japanischen Provinz weist auf den 800jährigen Gründungstag des Franziskanerordens hin, der Mitte April 2009 begangen wurde.
Assisi zur Zeit des hl. Franz in Miniaturausgabe

18. Juni _ Maximilian Wagner
Ganz in der Nähe des Konvents Portiuncola, etwa 5 Minuten Fußweg davon entfernt, befindet sich neben einem kleinen Sportzentrum in einem Haus ein größerer Saal, in dem ein Hobbybastler namens Giancarlo in 17 Jahre langer Feinarbeit nach gesichertem Quellenmaterial rekonstruiert hat, wie Assisi zur Zeit des hl. Franz und der hl. Klara aussah, und dies als Mikrokosmos nachgebaut hat.
Bemerkenswert ist, dass nicht nur die Fassaden gestaltet wurden, sondern auch das Innere der Gebäude bis ins kleinste Detail durchdacht ist, und der Besucher dieser Ausstellung wertvolle Einblicke bekommt.
Der Betrachter wird auf sehr sensible Weise in das Assisi des 12. Jahrhunderts entführt, als Portiuncola noch von einem Wald umgeben war und viele Kirchen wie S. Chiara, S. Francesco, der Dom S. Rufino (S. Maria Maggiore war die damalige Kathedrale!) etc. noch nicht existierten.
Um das Stadtbild lebendiger zu gestalten, sind neben der Rekonstruierung der Natur und Gebäude auch Figuren nachgestellt, wie etwa die Aussätzigen vor dem Leprosenheim.
Die Ausstellung wird erst in einigen Wochen eröffnet und bietet den Pilgern von Assisi wertvolle Informationen und Einsichten ins historische Stadtbild der umbrischen Heimat des Poverello. Ich kann es nur jedem und jeder empfehlen, der/ die nach Assisi kommt, diese Ausstellung anzuschauen. Es lohnt sich!
Die Botschaft des Kapitels
18. Juni – Bruder Markus Heinze
Nach einem Tag mit stundenlangen Abstimmungen, machten wir uns am Abend auf den Weg nach Santa Chiara zu den Schwestern der Hl. Klara, wo wir zusammen einen Gottesdienst feierten.
„Evangelium der Begegnung“, mit diesen drei Worten überschreibt Br. Michael Perry seine erste Predigt, die er als neugewählter Generalvikar in diesem Gottesdienst hält.
Dass Gott in der Menschwerdung Jesu nicht mit der Menschheit „spielt“, so sagt Michael Perry, wurde Franziskus in der für ihn „revolutionären“ Erfahrung der Umarmung mit und durch den Aussätzigen bewusst. Gott umarmt jeden einzelnen Menschen und jedes einzelne Geschöpf, das ist die Bewegung Gottes. Auch die Kirche hat sich auf diese Bewegung im Zweiten Vatikanischen Konzil eingelassen, wenn sie in dem Dokument „Gaudium et Spes“ sagt, dass „die Freuden und Hoffnungen, die Leiden und Ängste der Menschen unserer Zeit, besonders der Armen, auch die Freuden und Hoffnungen, die Leiden und Ängste der Nachfolger Christi sind.“
Michael Perry fordert seine Brüder auf, diese Bewegung Gottes nach zu vollziehen, die Franziskus erfahren durfte, und zu der die Kirche sich im Zweiten Vatikanum bekennt: dass wir die Welt umarmen und uns umarmen lassen. Er fordert uns auf die „Stimme Gottes in der Welt wahrzunehmen: die Schreie der Millionen von Müttern, deren Kinder durch den ungerechten Hunger und vermeidbare Krankheiten sterben, die Tränen der Kinder, deren Mütter und Väter an Aids sterben, das Blut derer, die in politischen und ethnischen Konflikten und durch unkontrollierten Waffenhandel verwundet werden, die Stürme, Feuer, Erdbeben und Überflutungen, die Ausdruck der ausgebeuteten und geschändeten Umwelt sind.“
Wo wir als Minderbrüder diese Welt umarmen und uns umarmen lassen, leben wir das Evangelium, das „Evangelium der Begegnung mit der Welt“, durch das die Kraft und das Erbarmen Gottes sich manifestieren.
In der ersten Woche hat der Generlminister Jose Carballo von der „Botschaft des Kapitels“ gesprochen, die über die Medien in die Welt geht. Manchmal haben wir uns in den Sitzungen und Gesprächen gefragt, worin diese Botschaft besteht, die die Brüder des Ordens und die Welt interessieren könnte. Ich denke, dass diese fast programmatische Rede des neugewählten Generalvikars eine solche Botschaft ist, für uns die Brüder und für die Welt.
Predigt von Bruder Michael in englischer Sprache als pdf-Datei
Für den Orden verzichtet Bruder Vincent auf die WM.
17. Juni – Bruder Maximilian Wagner -
Er ist immer fröhlich und singt gerne. Auf meine Frage, wie es ihm damit gehe, dass er als neu gewählter Generaldefinitor die nächsten 6 Jahre in Rom leben müsse, antwortet er: Meine Provinz daheim war schockiert und traurig, aber es wird schon Gottes Wille sein und ich tue diesen Dienst für den Orden. Natürlich bedauert er, dass er die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika nur von der Ferne aus miterleben kann. Er freut sich darauf, Italienisch lernen zu dürfen, weil ihm diese Sprache gut gefällt.
Vincent Zungu (43), seit einem knappen Jahr Provinzial der Provinz Maria Königin des Friedens in Südafrika mit etwa 80 Brüdern, fühlt sich mit Bayern sehr verbunden. Einst gründeten in seiner Heimat Brüder der Bayerischen Franziskanerprovinz eine Missionsstation, wurden aber als Kriegsverlierer nach dem Zweiten Weltkrieg von irischen Brüdern dort abgelöst. Geblieben sind die Benediktiner aus St. Ottilien und Mallersdorfer Franziskanerinnen, die dort Nardini Sisters heißen. Der letzte deutschsprachige Missionar Wigbert Lange ist seit einem Monat in seine Heimat Österreich zurückgekehrt. Bis vor 10 Jahren regierte die Provinz einer der ausländischen Missionare. Vincent ist nach Vumile Nogemane der zweite einheimische Provinzial von Südafrika.
Er war von 2002-2005 zu einem Auslandsstudium in Straßburg, freut sich daher, jetzt mit Roger Marchal, den er aus dieser Zeit kennt, im Generaldefinitorium zu sein. In seiner Heimatprovinz war Vincent in der Pastoral, als Sekretär für Ausbildung und Studien auch auf Konferenzebene tätig und zuletzt vor seiner Wahl zum Provinzial auch Provinzvikar.
Die Woche der Gesetzgebung
16. Juni – Bruder Franz-Leo Barden
Nach der ersten Woche, die der Bestandaufnahme durch den Bericht des Generalministers galt, der zweiten Woche mit dem Schwerpunkt der Wahl der neuen Generalleitung und der dritten Woche mit der Arbeit an konkreten Vorschlägen in den Kommissionen, sitzen wir in dieser vierten Woche viel im Plenum und widmen uns in einem recht formalen Verfahren der Abstimmung von Vorschlägen. Dazu wird jeder einzelne Antrag nochmals vorgelesen und Gelegenheit zur Rückfrage bzw. zur Änderung gegeben. Erst danach geschieht die Abstimmung mittels elektronischer Geräte (was uns länger zu dauern scheint, als würde man die Abstimmung einfach mit Handheben und Abzählen machen).
Inhaltlich ging‘s bisher um Veränderung der Generalstatuten, also des Grundgesetzes des Ordens. Da muss in den Statuten etwa der neue Status des Antonianums als päpstliche Universität berücksichtigt werden; da braucht es Regelungen zur Zusammenarbeit verschiedener Provinzen; und da gibt‘s auch noch so "wichtigen und bedeutsamen" Klärungen wie den Umgang mit emeretierten Bischöfen, die in die Provinz zurückkehren wollen, oder die Betonung des früheren "Imprimaturs"(Druckerlaubnis) für Veröffentlichungen von Brüdern. Zum Glück stimmt das Kapitel nicht jeder Vorlage einfach so zu!
Und es gibt auch schwerwiegende Themen: die Neustrukturierung des Sekretariates für Evangelisierung ist heiß umstritten. Die Meinungen gehen da sehr auseinander. Die Erfahrungen mit der bisherigen Struktur sind sehr geteilt. Die Einen wollen alles so beibehalten, wie es ist; andere votieren für eine Teilung in ein Sekretariat für Evangelisierung und eines für Missio ad gentes. Dazwischen liegen eine Reihe von Kompromissvorschlägen. Wir sind alle irgendwie gespannt, was am Ende dabei herauskommen wird.
Das Votieren soll uns wohl helfen, Meinungen mehr und mehr zu bilden und zu bündeln.
Insgesamt aber spiegeln diese trockenen Gesetzestexte Veränderung in der Situation im Leben des Ordens wider. Insofern sind sie notwendig und sinnvoll und in manchen Fällen sogar hilfreich - hoffe ich!
Und da wir einmal bei Statutenänderungen sind, wird natürlich auch all das mit abgestimmt, was etwa durch Veränderungen im Kirchenrecht notwendig wird.
Die Materie und der Abstimmungsmodus ist manchmal so kompliziert, dass es ohne Hilfe der Experten nicht weiterginge. Das Foto zeigt Franceso Bravi und Aidan McGrath, ausgewiesene Rechtsexperten."
Schwarzwälder Franziskaner als Rektor der Päpstlichen Universität Antonianum in Rom
15. Juni – Bruder Markus Heinze
Bruder Johannes Baptist Freyer ofm berichtet dem Generalkapitel von der aktuellen Lage der Päpstlichen Universität Antonianum.
Nach einem erholsamen Wochenende geht es heute in die vierte und letzte Arbeitswoche des Kapitels. Das Wochenende verbrachte ich in Rom, wo ich die Chance hatte, das Fest des hl. Antonius im „Antonianum“ zu verbringen. Bei einem festlichen Mittagessen hatte ich die Gelegenheit mit vielen Brüdern aus der ganzen Welt ins Gespräch zu kommen, die dort studieren, lehren oder sonstwie tätig sind.
Das Antonianum ist die Päpstliche internationale Universität der Franziskaner (PUA) in Rom, die seit vier Jahren von Bruder Johannes Baptist Freyer als Rektor geleitet wird. Johannes Freyer stammt aus dem Schwarzwald und gehört zur kölnischen Franziskanerprovinz.
Am heutigen Vormittag (Montag) berichtete Johannes Freyer dem Generalkapitel von seiner Arbeit. Er benannte offen und ehrlich sowohl die Schwierigkeiten und Herausforderungen als auch die Zukunftschancen des Antonianum, das ein „Zentrum franziskanischer Bildung und Wissenschaft für die ganze franziskanische Familie“ ist.
Johannes Freyer legt besonderen Wert auf die prophetische Dimension der franziskanischen Lehre. Um diesen „prophetischen Geist“ zu fördern wurde an der PUA ein neuer Lehrstuhl für den Bereich „Gerechtigkeit, Frieden und Wirtschaft“ eingerichtet. Inhaber des Lehrstuhls ist Bruder Nicola Riccardi ofm. In einem Gespräch mit Nicola Riccardi äußerte dieser großes Interesse an einem Austausch mit dem Beirat der „Bank für Orden und Mission“ bezüglich ethischer Kriterien von Geldanlagen und der praktischen Umsetzung franziskanischer Werte im konkreten Geschehen einer Bank.
Ich denke, dass diese Verbindung von intellektuellem Geschehen und konkreter Umsetzung in der Praxis eine der Stärken der franziskanischen Bewegung ist.
Das Beben in den Abruzzen

15. Juni - Bruder Maximilian Wagner
Mit Entsetzen erinnert sich wohl jeder noch an die furchtbaren Erdbeben, die am 06.04.2009 und einige Tage danach in den Abruzzen große Schäden angerichtet haben.
Bruder Virgilio di Virgilio (75), Provinzial der Provinz S. Bernardino da Siena in den Abruzzen mit ca. 70 Mitbrüdern, hat die Erdbeben hautnah miterlebt und berichtet von den Ausmaßen der Verwüstung:
Die Äbtissin Sr. Maria Assunta Gemma Antonucci des Klarissenklosters in Paganica bei L’Aquila kam ums Leben, weil das Dach des Klosters und einige Decken im Haus herabstürzten. Eine weitere Schwester wurde schwer verletzt, überlebte aber. Die Klarissen mussten ihr Haus verlassen und in das benachbarte Kloster Pollenza (Provinz Macerata) umziehen.
Konvent und Basilika S. Bernardino in L’Aquila haben riesige Schäden davongetragen. Der Glockenturm der Kirche zerstörte das Provinzialat samt Provinzsekretariat und -archiv. Auch der Kreuzgang und die Kuppel sind massiv beschädigt. Die Brüder, die - Gott sei Dank - alle unverletzt blieben, mussten in die Konvente Lanciano, Tagliacozzo und Teramo umziehen. Der Leichnam des hl. Bernardin wurde vorübergehend in eine andere Kirche verlegt.
Auch der Konvent S. Giuliano ist teilweise zerstört und unzugänglich. Einige Kirchen in Celano und Teramo wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen.
Erzbischof Giuseppe Molinari von L’Aquila sagte bei der Beerdigung der zahlreichen Opfer des Erdbebens am Karfreitag: „Eine Geschichte des absurden und unerträglichen Todes wartet darauf, in eine neue und lichtvolle Geschichte des Lebens und der Hoffnung verwandelt zu werden.“
Sonntagsausflug auf den La Verna

14. Juni – Bruder Maximilian Wagner
Ungefähr ein Drittel der Kapitulare nutzte das Angebot, gestern am Sonntag auf den Berg La Verna zu pilgern. Diesen Ort liebte Franziskus und zog sich zum Gebet dorthin zurück. Am 14. September 1224 wurde er hier stigmatisiert.
Um 8 Uhr fuhr der Bus los und erreichte nach 90 Minuten bereits das Ziel. Dort angekommen durfte sich jeder auf Kosten des Hauses ein Getränk aussuchen. Dann war eine ausgiebige Führung durch das gesamte Areal des Heiligtums, die in alle drei Ordenssprachen – Italienisch, Spanisch, Englisch - übersetzt wurde.
Bis zum Mittagessen im Konvent blieb anschließend noch etwas Zeit, um z. B. an der Fronleichnamsprozession dort oben teilzunehmen. Feierlich vom Baldachin beschirmt wurde das Allerheiligste bis zum Eingang des Heiligtums und zurück in die Kirche getragen. Unterwegs gab es keine Altäre, aber es wurden viele schöne Lieder angestimmt, die alle auswendig mitsingen konnten. In der Kirche war dann ein kurzer Abschluss, da bereits der nächste Gottesdienst angesetzt war und viele Leute vor dem Kirchenportal warteten.
Um 13 Uhr waren alle ins Refektorium des Konvents zum festlichen Mittagessen eingeladen. Die Brüder dort sparten nicht mit ihren Wohltaten. Nicht nur der Chianti war bemerkenswert gut, sondern auch die Speisenfolge beinhaltete alles, was man in Italien an einem Hochfest aufgetischt bekommt. Mit Bruder Fer aus Holland bestieg ich anschließend noch den Gipfel des Berges.
Um 15 Uhr nahmen wir an der Non und Prozession zur Stigmata-Kapelle teil. Danach gelang es mir, mit einem amerikanischen Mitbruder kurz durch die dortige Einsiedelei geführt zu werden.
Um 16.30 Uhr zelebrierte der Generalminister einen von Orgelmusik begleiteten Festgottesdienst zu Fronleichnam mit einer 20minütigen Predigt mit uns, bevor wir mit dem Bus wieder nach Assisi zurückgebracht wurden. Es war ein wunderschöner Tag, da es auf dem Berg trotz Sonnenschein angenehm kühl war. Im Bus wurde auf der Heimfahrt munter gesungen.
Sehnsucht nach Frieden und Einheit
- 14. Juni - Bruder Maximilian Wagner
„Hum hanghi chata hun me
Hum hanghi tumna meri
Dara-e-ithad me le a-kudaia mukluh sari”
Mit diesem Lied in der Sprache Urdu aus Pakistan starteten wir Donnerstag Morgen den Sitzungstag. Der Text lässt sich so übersetzen: „Ich will Frieden, ich ersehne den Frieden. Gott verbindet alle Völker zur Einheit“.
Bruder Peter Masih Moghal (41) ist seit 2008 Kustos der autonomen Kustodie St. Johannes der Täufer in Pakistan. Zusammen mit mir hat er 1997 - 2003 Franziskanische Spiritualität am Antonianum studiert und in seiner Doktorarbeit die Schriften des Franziskus mit denen des Sufismus verglichen. Anschließend war er 5 Jahre lang Junioratsmagister, bevor er zum Kustos gewählt wurde. Seine Quasi-Provinz zählt ca. 40 Ewigprofessen mit einem sehr jungen Altersdurchschnitt (53 J.). 13 Junioren, 3 Novizen und 5 Postulanten zeigen, dass die autonome Kustodie in wenigen Jahren eine eigene Provinz werden wird.
Die Brüder in Pakistan sind in Pfarreien tätig, unterrichten in Schulen, kümmern sich um ein Behindertenzentrum und um Drogenabhängige.
Schon dreimal wurde Peter von islamischen Fundamentalisten (Taliban und Al Quaida) mit einer Pistole bedroht. Die Sehnsucht nach Frieden und Einheit bei den Christen, die im muslimisch beherrschten Pakistan eine Minderheit bilden, ist sehr groß. Trotzdem sei es nicht gefährlich, in Pakistan zu leben, meint Peter und lädt mich freundlich ein, ihn doch einmal zu besuchen.
Alles Gute zum Hochfest des hl. Antonius von Padua
13. Juni - Bruder Maximilian Wagner -
Das dürfte in der Geschichte des Franziskanerordens nicht allzu oft vorgekommen sein, dass zwei waschechte Oberbayern miteinander als stimmberechtigte Mitglieder auf dem Generalkapitel sind.
Beide vertreten wir die Provinz des hl. Antonius von Padua: Bruder Martin Sappl, ein gebürtiger Tölzer, die von Bolivien, und ich als Ingolstädter die von Bayern.
Natürlich wären wir jetzt viel lieber in unserer Heimatprovinz, wo heute abends in München St. Anna Friedrich Kardinal Wetter das Hochamt mit Festpredigt zelebriert. Aber noch eine volle Woche dauert das Generalkapitel, und da ist es absolut unmöglich, vorher abzureisen.
So haben wir hier auf unsere Weise einen würdigen Gottesdienst gefeiert und lassen uns jetzt das kühle Belgische Bier schmecken.
Wir wünschen allen Mitbrüdern der Antonius-Provinzen unseres Ordens in Bayern, Bolivien, auf den Philippinen und in Venedig ein wunderschönes Antoniusfest und stoßen hier auf euer Wohl an. Prost y buen provecho e alla Vostra salute!
Geld, Geld, Geld....
12. Juni - Bruder Norbert Plogmann
Heute ist der Tag der Finanzen. Der Generalökonom hat seinen Bericht vorgelegt und steht der Vollversammlung Rede und Antwort. Die Grundzüge hat jeder schriftlich vorliegen. Nähere Informationen gibt es auf der Leinwand. Manch einem in der Aula wird wohl etwas schwindelig geworden sein angesichts der vielen Zahlen und Kolumnen.
Warum interessieren sich die Kapitulare aus aller Welt eigentlich für die Finanzen der Generalkurie in Rom? Wohl deshalb, weil der Haushalt der Generalkurie zu etwa 65 % von den Provinzen des Ordens finanziert wird - durch die allgemeine Abgabenordnung und durch freiwillige Spenden. Nicht nur die Generalkurie mit ihren verschiedenen Dienststellen und Büros will unterhalten werden, sondern auch mehrere Häuser und Einrichtungen, die dem Generalminister in Rom direkt unterstehen. Dazu gehören die Päpstliche Universität Antonianum und das neue Kolleg Sant’ Isidoro, Ort der Forschung und Wissenschaft. Zusätzlich tragen die beiden Generalsekretariate für Mission und für Studien dafür Sorge, missionarische Projekte weltweit zu fördern und die Ausbildung von jungen Brüdern zu gewährleisten, vor allem in den Regionen des Ordens, wo das nötige Geld dazu fehlt.
Der Generalökonom ist sichtlich um Klarheit und um Transparenz bemüht. Er weiß, dass den einzelnen Provinzen das Teilen von Gütern und das Mittragen gemeinsamer Anliegen leichter fällt, wenn seine Rechenschaftsablage eindeutig und verständlich ist. Bei der Darstellung der Finanzen geht es eben nicht nur um reine Zahlen. Es geht auch darum, die Vollversammlung weiterhin zur ökonomischen Solidarität und zum finanziellen Ausgleich zwischen den ärmeren und reicheren Regionen zu ermutigen. Bruder Giancarlo zeigt sich berührt, dass er bei seinem Dienst als Generalökonom, den er vor 6 Jahren begonnen hat, soviel gegenseitige Hilfsbereitschaft im Orden feststellen durfte.
Ein paar grundsätzliche Tendenzen bereiten dem Generalökonomen ernsthafte Sorgen, die vielen in der Vollversammlung nicht unbekannt sind. Dazu gehören: Die Lebenshaltungskosten steigen beständig. Die Missionsprojekte des Ordens nehmen beständig zu und damit die entsprechenden finanziellen Verpflichtungen. Die Anzahl der Brüder in den ärmeren Ländern wächst, in den reicheren Ländern nimmt sie dagegen stark ab. Um weiterhin einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, wird es darum gehen, Kosten einzugrenzen oder Einkünfte zu steigern. Von diesem Bemühen können viele Provinz- und Hausleitungen im Orden ein Lied singen. Aber der Blick über den eigenen Tellerrand geht dabei offensichtlich nicht verloren. Gott sei Dank! Die Vollversammlung würdigt den Bericht des Generalökonomen mit einem herzlichen Applaus, vor allem die offene Sprache und das Bemühen um Klarheit und Transparenz.
Hiermit verabschiede ich mich in ein hoffentlich freies Wochenende und von meiner Wochenverantwortung für unser Bloggen. Bruder Franz-Leo ist aus dem Rheinland mit dem Auto zum Generalkapitel angereist. So können wir jetzt etwas in der näheren Umgebung unternehmen, vielleicht Spoleto oder Lago Trasimeno mit der Isola Maggiore oder Cortona mit der Einsiedelei? Nach zwei verregneten Wochenenden soll uns das bei vorausgesagtem Sonnenschein gegönnt sein. Nach dem Abendessen steht heute noch der Besuch einer Eisdiele in der Nachbarschaft auf dem Programm. Provinzial Jan van den Eijnden aus den Niederlanden feiert heute seinen 63. Geburtstag. Er hat unsere Provinzialenkonferenz eingeladen, deren Präsident er ist.
Feuerwehrmann und Hochhausbauer: Bruder John Francis aus den USA

12. Juni - Bruder Maximilian Wagner
Sein Englisch ist nicht ganz leicht zu verstehen, aber das ist bei Amerikanern aus New York eben so, dass sie sehr schnell und nicht ganz akzentfrei sprechen.
Bruder John Francis O’Connor (62), seit 2005 Provinzial der Holy Name Provinz in den USA, ist trotzdem eine beachtliche Figur mit viel Erfahrung in Leadership. Seine Provinz zählt ca. 375 Brüder und ist neben der Provinz Venedig die drittgrößte des Franziskanerordens nach der Brasilianischen Provinz zur Unbefleckten Empfängnis und der Mexikanischen Provinz zum hl. Franziskus und Jakobus.
Die englischsprachige Konferenz hat ihn 2007 zu ihrem Präsidenten gewählt. Nach seinen Studien in Washington D.C. wurde er 1973 zum Priester geweiht, war dann bis 1982 Studentenpfarrer und Pfarrer der Gemeinde bei der ordenseigenen Universität St. Bonaventure in New York.
Danach engagierte er sich besonders für die Städte Allegany N.Y. und Olean, wo er Kommandant der Feuerwehr war und durch entsprechende Förderprogramme der Jugend neue Horizonte eröffnete.
Schließlich organisierte er mit dem Bau eines Hochhauses in New York City ein mehrfaches Millionen-Projekt der Franziskaner für die karitative Unterstützung der Armen in der Stadt, ein beachtliches Konzept zur Erfüllung des franziskanischen Auftrags heute.
Die Folgen von Babel...
11. Juni - Bruder Norbert Plogmann
Über Kopfhörer höre ich Laute, die bisher selten waren – puh, ääh, uff oder ein tiefes Durchatmen. Die Anträge und Vorlagen aus den Sachkommissionen, teilweise mit einem sehr präzisen Sprachgebrauch, werden heute in der Vollversammlung vorgestellt. Jeder Beitrag muss simultan in die anderen Sprachen des Kapitels übersetzt werden(englisch, italienisch, spanisch). Das ist wirklich Schwerstarbeit für die Dolmetscher in ihren Kabinen an der Rückwand der Aula. Selten gibt es vom Chef der Dolmetscher ein Signal an den Redner, dass er zu schnell spricht. Falls ein Signal kommt, bedeutet das: langsamer sprechen oder die Mikrophone der Dolmetscher werden abgeschaltet. Dann ist über Kopfhörer nichts mehr zu hören. Das diszipliniert im Plenum.
Bei den Brüdern in den Übersetzungsbüros im Hintergrund steigt auch der Blutdruck. Sie müssen die Ergebnisse aus den 10 Sachkommissionen in drei Sprachen zu Papier bringen. So bekommt jeder die notwendigen Unterlagen in seiner gewünschten Sprache zur weiteren Bearbeitung in sein Fach.
Jetzt geschieht ein interessanter, aber auch mühsamer Sichtwechsel. Alles was die Sachkommissionen, zusammengesetzt nach Interesse und Sachkompetenz, erarbeitet haben, wird in einem nächsten Schritt in den Sprachgruppen, international zusammengesetzt nach Sprachkompetenz, weiter diskutiert. Was werden die Brüder in meiner englischen Sprachgruppe zu den vorliegenden Ergebnissen sagen- die Brüder aus England, Irland, Niederlande, Vietnam, Indonesien, Papua Neuguinea, Taiwan, Japan, Indien, Pakistan?
Die Wünsche aus jeder Sprachgruppe gehen dann zur Bearbeitung zurück an die jeweilige Sachkommission. Die Sekretäre der Sachkommissionen und die Sekretäre der Sprachgruppen geben sich im Hauptsekretariat des Generalkapitels die Türklinke in die Hand, damit dort die Arbeitsabläufe koordiniert werden können. In der letzten Woche wird in der Vollversammlung alles zur Abstimmung kommen.
Gerade steht unser Kirchenrechtler Aidan Mc Grath am Mikrophon. In einem präzisen Englisch erläutert er ausführlich die vielen Änderungsanträge zu den Generalstatuten unseres Ordens. Wir befinden uns in einem Gesetzgebungsverfahren. Seinen Vortrag hat er eingeleitet mit einem Wort, das von Bismarck stammen soll: ‚Wenn man nicht weiß, wie Gesetze und Würste gemacht werden, dann schläft man besser.‘ Mehrere Änderungsanträge zu den Generalstatuten sind der Versuch, die Diskussionen zum Bereich Evangelisierung und Mission in das Recht unseres Ordens einzuarbeiten – für die Arbeit der Generalleitung und der einzelnen Provinzen.
Mein Nachbar flüstert mir mit einem ernsten Gesicht zu: ‚Heute ist ein ganz wichtiger Tag für uns … Wir bekommen unsere Wäsche zurück!‘ Jeden Dienstag werden die Wäschesäcke der Brüder eingesammelt, die sie vor ihren Zimmern abgestellt haben. Am Donnerstag liegt die frische Wäsche wieder korrekt abgepackt vor der Zimmertür.
Bruder Arzt leitet die Provinz von Neapel
11. Juni - Maximilian Wagner -
Einige Patienten hatte er bereits hier auf dem Generalkapitel zu versorgen, doch war bisher – Gott sei Dank – noch kein akuter Notfall dabei. Meist sind es Erkältungen oder Allergien auf Pollen oder die Klimaanlage des Hauses, die einen überall verfolgt. Einer der Provinziale ist aus gesundheitlichen Gründen abgereist, da er für seine frische Oberschenkeloperation hier nicht die entsprechende Physiotherapie fand und die Schmerzen für ihn unerträglich wurden.
Neben seinem Zimmer hat unser Arzt sich ein professionelles Behandlungszimmer eingerichtet, in dem er u. a. den Blutdruck messen, die Lunge abhören, ein EKG durchführen kann. Bei schlimmeren Diagnosen nutzt er die benachbarte Pflegestation von Portiuncola und bezieht von dort gelegentlich auch Medikamente. Aber er kann auch selber Rezepte ausfertigen, damit der Patient z.B. Antibiotica in der Apotheke erwerben kann.
Seinem aufmerksamen Blick entgeht kaum ein Bruder, dem es offensichtlich nicht so gut geht. Fürsorglich und kompetent kümmert er sich um unsere kranken Brüder.
Bruder Agostino Esposito (47), seit Mai 2007 Provinzial der Provinz vom heiligsten Herzen Jesu in Neapel, ist praktizierender Arzt und übt seinen Beruf im Umfang von 20 Wochenstunden in einem Krankenhaus in Neapel aus. Meist ist er nachts als Notarzt unterwegs. Vor dem Generalkapitel hat er in drei Monaten so viele Überstunden angesammelt, dass er nun 4 Wochen ohne schlechtes Gewissen dort fehlen kann.
Bei allem geht es um Gerechtigkeit und Solidarität
10. Juni – Bruder Norbert Plogmann
Mittagspause auf meinem Zimmer. Ich sitze am Fenster im vierten Stock des Domus pacis. Ein weiter Blick über die umbrische Ebene mit der Stadt Foligno. An den Berghängen: Spello, Montefalco und Spoleto. Links aus dem Fenster ganz nahe der Monte Subasio mit Assisi. Das Treiben dieser Stadt hat Franziskus vor 800 Jahren verlassen. Seine Alternative liegt außerhalb, auch in dieser Ebene, die ich jetzt überblicke, umschlossen von Bergketten. Außerhalb der Stadt hielten sie sich auf, die Ausgegrenzten, die Aussätzigen, die Heimatlosen, die Armen. Hier unten in der Ebene zogen Reisende und Handelsleute durch. Hier konnte das Betteln das Überleben sichern. Hier unten, von vielen unbeachtet, liegt die winzige Kapelle Santa Maria Maddalena. Wer sie betritt, taucht ein in die Zeit des heiligen Franziskus. Hier unten haben er und seine ersten Brüder mit den Aussätzigen und Bettlern gelebt. Ich erinnere mich an eine Pilgerreise mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken aus Berlin. Der Gottesdienst in Santa Maria Maddalena brauchte nicht viele deutende Worte. Allein dieser Ort mit seiner Geschichte war schon heilsame Botschaft. In dieser Kapelle sprach das Lebenszeugnis des Franziskus unmittelbar in die Realität der Anwesenden.
In meiner Sachkommission 10 „Ökonomie und Solidarität“ haben wir heute den ersten Schritt abgeschlossen. Unsere Anträge und Empfehlungen für eine erste Behandlung in der Vollversammlung und in den Sprachgruppen sind aufbereitet. Eine schwierige Frage: Wie können wir in unserem Weltorden ein System der ökonomischen Solidarität ausbauen? Es gibt Provinzen in Amerika und Europa, die abgeben können. Es gibt Provinzen in Afrika uns Asien, denen es wirklich am Notwendigsten fehlt. Sie können kaum ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen. Wie sollen sie sie dann noch die Ausbildung ihres Nachwuchses finanzieren oder ein weiterführendes Studium? Wie soll der Orden die Projekte finanzieren, die neu ins Leben gerufen wurden, z.B. in Myanmar, in Thailand, zukünftig in Laos, Kambodscha, Sudan, Namibia.
Unsere Kommission wird vorschlagen, die bestehende Abgabenordnung im Orden für die Bereiche „Mission“ und „Ausbildung“ weiter auszubauen, eine Art Steuer, die die Generalkurie von jeder Provinz des Ordens einfordert. Bei der komplizierten Berechnung wird die Stärke jeder der 120 Provinzen des Ordens und das Bruttonationalprodukt des jeweiligen Landes berücksichtigt. Der Generalökonom, das Generaldefinitorium und die Internationale Finanzkommission des Ordens sind dafür zuständig. Der Grundsatzbeschluss allerdings ist dem Generalkapitel vorbehalten. Bei allem geht es um Gerechtigkeit, Solidarität und Transparenz.
Fotografieren verboten!
10. Juni - Bruder Franz-Leo Barden
Jeder, der schon einmal in Assisi war, kennt die Erfahrung: Fotografieren verboten -- zumindest in den Kirchen und Kapellen.
Natürlich wird dieses Verbot unterschiedlich streng gehandhabt: in San Francesco etwa hat man bei dem uniformierten Wachpersonal, das fast schon wie die leibhaftige Carabinieri aussieht, kaum eine Chance, die Kamera auszupacken und in Stellung zu bringen. In der Portiunkula oder in Santa Chiarra ist es bei den Volunteers mit den blauen Leibchen schon eher möglich, einen unbeobachteten Augenblick abzupassen.
Insgesamt aber ist es nicht gern gesehen, in den Kirchen zu fotografieren. Und das ist ja auch gut so und verständlich: denn es stört ohne Frage die Andacht und Stille der anderen und ist an diesen heiligen Orten nicht angemessen. Zudem gibt's fast jede Perspektive und jede Ansicht von innen und außen auf Karten in den unzähligen Shops am Weg oder an den Kirchen.
Und doch -- gestern Abend habe ich mehr verstanden, welchem tief menschlichen Bedürfnis das Fotografien vielleicht entspringt: Am Ende des wirklich ergreifenden Gottesdienstes in der Unterkirche von San Francesco, in dem wir unsere Profess erneuerten, zogen wir in Prozession in die Krypta zum Grab des heiligen Franziskus. Dort waren wir im Gebet versammelt und dort, am Grab unseres Ordensgründers, segnete uns sein Nachfolger, Fr. José Carballo mit einer ganz besonderen Reliquie, mit dem von Franziskus eigenhändig geschriebenen Segen und Meditationsblatt für Bruder Leo, seinen treuen Begleiter in den letzten Jahren. Dieser Segen ist natürlich etwas ganz besonderes: handschriftlich von Franziskus verfasst, ganz sicher ein Stück, das er in Händen hatte, auf dem er höchstpersönlich seinem Begleiter Leo Anteil an seiner Meditationserfahrung gibt und einen persönlichen Segen zuspricht.
Nach dem Segen des Generalministers steht diese Reliquie auf dem Altar, zugänglich. Sonst ist sie hinter dickem Glas in einer Kapelle in San Francesco zu sehen.
Natürlich stürmen die Brüder darauf zu, viele, um sie zu berühren, sie näher anzuschauen, zu verehren mit einem Handauflegen oder einem Kuß.
Schon das ist ein besonderes Zugeständnis an die Kapitulare.
Aber dann stehen auch 5 oder 10 fotografierende Brüder davor (und kein Offizieller sagt was dagegen -- das ist wirklich ein Vorzug für Kapitulare!), und immer wieder neue holen ihre Kamera heraus und schießen ein Bild. Frevel??? Oder ist es der Wunsch, das Bedürfnis, etwas mitzunehmen, aus diesem wichtigen Augenblick? So wie die Leute früher Tücher an den heiligen Reliquien entlangstreiften und mit nach Hause nahmen, um so den "Kontakt mit dem Heiligen" zu erhalten, zu bewahren, um immer wieder an einen solchen Augenblick erinnert zu werden. Oder wie heute Menschen Autogramme von Ihren Stars sammeln. Oder wie der Rasen eines Fußballstadions meistbietend an Fans des Vereins versteigert wurde (der Elfmeterpunkt hat den höchsten Gewinn erzielt.) Wir brauchen solche "Erinnerungszeichen", solche Möglichkeiten der Berührung und des "angerührt-Werdens". Und vielleicht ist das Fotografieren nur eine zeitgemäße Form dieses Wunsches, etwas Bleibendes aus dem vergänglichen Augenblick mitzunehmen.
Ich habe jedenfalls ein Foto gemacht. Mit meinem Namen (Franz-Leo) stehe ich den beiden Protagonisten dieser Reliquie (Franziskus und Bruder Leo) eh nahe. Ich habe sogar den minoritischen Bruder, der die Reliquie am Ende forttrug, gebeten, sie umzudrehen. Ich hatte noch kein Foto von der Rückseite.
Gottesdienst zum 800jährigen Regeljubiläum
10. Juni - Maximilian Wagner -
Nach der inhaltlichen Arbeit in den Kommissionen durften die Kapitulare gestern Abend noch einen besonders feierlichen Gottesdienst in der Unterkirche von San Francesco miterleben.
Mit Texten aus den Quellenschriften in den drei Ordenssprachen Italienisch, Spanisch und Englisch wurde in einer besinnlichen Stunde des 800jährigen Jubiläums der mündlichen Bestätigung der Franziskusregel durch Papst Innozenz im Jahr 1209 und damit der Gründung des Franziskanerordens vor 800 Jahren gedacht.
Wohltuend waren die Musikstücke von Bach, Vivaldi, Pachelbel, Ortolani und Morricone, mit denen ein kleines Streichorchester zwischendurch die geistlichen Worte in besinnlicher Atmosphäre nachklingen ließ. Bezeichnend war es auch, dass der Wortgottesdienst ganz ohne Predigt auskam.
Nach der würdevollen Professerneuerung zogen alle feierlich zum Grabschrein des Heiligen Franziskus, wo der Generalminister alle mit den Worten des Ordensvaters segnete und spontan zum Friedensgruß einlud. Anschließend waren alle Kapitulare zum Abendessen in das riesige Refektorium (63 m lang, 11 m breit und 18 m hoch) des Sacro Convento eingeladen.
Würdiger und schöner hätte man diesen Anlass nicht feiern können, denn gerade die Gastfreundschaft und das brüderliche Zusammensein mit den Minoriten waren ein echter Höhepunkt dieses Tages, der uns allen recht lange in bester Erinnerung bleiben wird.
Parlamentarischer Alltag
09. Juni - Bruder Norbert Plogmann
Die Wahlen in der zweiten Woche haben die thematische Arbeit in den Hintergrund treten lassen. Wie holen wir jetzt die Beratungen der ersten Woche in das Kapitel zurück? Gestern Nachmittag hat die Vollversammlung etwas den Aufstand geprobt: Wir können nicht alles und jedes behandeln. Bevor wir jetzt mit vielen Detailfragen weitermachen, wollen wir den roten Faden für die kommenden zwei Wochen erkennen. „Evangelisierung und Mission“ ist doch das Leitthema des Kapitels. Dann wollen wir uns auch auf diesen Bereich konzentrieren und alles andere weglassen. Manche Ohren hören so etwas nicht gern.
Das Leitungskomitee hat am gestrigen Abend lange tagen müssen, um das Aufbegehren konstruktiv aufzufangen und in die Tagungsdynamik einzuarbeiten. Geschafft! Heute wurde der Vollversammlung ein überarbeitetes und detailliertes Tagungsraster vorgelegt. Das Kapitel kann also inhaltlich neue Fahrt aufnehmen.
Wie aber können die vielen Vorlagen und Anträge von einer Großversammlung mit 150 Teilnehmern bearbeitet werden? Dafür wurden heute 11 Sachkommissionen gebildet, in die sich jeder nach Neigung eintragen konnte: (1.) Überarbeitung von Artikeln der Generalstatuten des Ordens, (2.) Der Dienst der Animation und der Autorität, (3.) Das geistliche Leben, (4.-7.) Evangelisierung und Mission, (8.-9.) Ausbildung und Studien, (10.) Ökonomische Fragen, (11.) Vorschläge des ehemaligen Generaldefinitoriums. Jeder Sachkommission sind Vorlagen und Anträge zugewiesen worden, die aus den Beratungen der ersten Woche auf dem Tisch liegen. Nun sind die Sachkommissionen herausgefordert, zu bündeln und Prioritäten zu setzen. Die Kunst wird tatsächlich im Weglassen bestehen. Was als Konzentrat bleibt, wird kurz der Vollversammlung vorgestellt und den bestehenden Sprachgruppen zur Diskussion zugeleitet. Rückläufe aus der Vollversammlung und aus den Sprachgruppen werden dann von der jeweiligen Sachkommission erneut bearbeitet.
In der letzten Woche ab dem 15. Juni werden alle überarbeiteten Vorlagen und Anträge abschließend von der Vollversammlung behandelt. Dann werden die elektronischen Abstimmungsräte in der Vollversammlung sicher heiß laufen.
Beim Essen (nicht) „kapitulieren“

09. Juni - Bruder Maximilian Wagner -
Das Hotel „Domus Pacis“, das der Franziskanerprovinz von Umbrien gehört und von ihr bewirtschaftet wird, verwöhnt uns Kapitulare täglich mit den typischen Leckereien der umbrischen Küche. Eine Speisenkarte (Menù) steht gleich am Eingang, wobei uns Ausländern die wohl klingenden Bezeichnungen meist unbekannt sind und erst als Gaumenfreuden entdeckt werden müssen.
Mittags gibt es bei besonderen Anlässen als Antipasto (Vorspeise) Schinken, Oliven, Melone oder Bruschetta (eine Art Pizza) als Appetitanreger u.v.m.
Als primo piatto (1. Gang) wird in der Regel Risotto in vielfachen Variationen oder eben italienische Pasta in allen möglichen Formen (Tagliatelle, Spaghetti, Fettuccine, Maccheroni, Penne, Rigatoni, Farfalle …) am Platz serviert, während es abends eher eine nahrhafte Minestra, d.h. Gemüsesuppe gibt.
Die anderen Speisen (secondo piatto) sind am dekorativen Buffet zu bewundern und dort auszuwählen. Neben einer Bar mit verschiedenen Salaten (Gurken, roter und grüner Blattsalat, Tomaten, Mais, Krautsalat, grüne und schwarze Oliven …), selbst mit Apfelessig und Olivenöl anzumachen, werden verschiedene Fleischsorten angeboten, angefangen vom Schwein, Huhn, über coniglio (Kaninchen/Hasen), Rind- oder Hammelfleisch bis hin zum Lamm. Am Freitag gibt es im katholischen Haus natürlich Fisch, Gemüse-Lasagne oder ähnliche vegetarischen Gerichte. Eine Vielfalt von Gemüse füllt den Teller: Carciofi (Artischocken), spinaci (Spinat), Karotten, Gurken, Zucchini, Bohnen, eingelegte Zwiebeln etc., außerdem eine Vielfalt an interessanten salse und sughi (Soßen).
Weiß- und Rotwein der Region steht traditionell auf jedem Tisch bereit, ebenso Acqua minerale.
Als Frutti (Obst) werden angeboten: Banane, Orange, Apfel, Birne, Pfirsich, Pflaumen und Aprikosen. Die Kirschen aus dem eigenen Klostergarten schmecken auch recht gut.
Als Dolce (Nachspeise) gibt es ebenfalls eine abwechslungsreiche Vielfalt: Ricotta (eine Art Pudding), Fruchtsalat, Gelato artigianale (selbst gemachtes Eis), Panna cotta, Tiramisù, Semifreddo, etc. Eine Maschine mit gekühltem, süßem Joghurt steht zu jeder Mahlzeit zur Verfügung.
Wer dann noch nicht genug hat, kann sich zum Abschluss noch bei den verschiedenen Käsesorten bedienen: besonders lecker schmeckt Pecorino oder Parmegiano mit Honig oder Marmelade.
Natürlich gibt es das alles nicht jeden Tag und nicht bei jeder Mahlzeit. Aber es erfordert schon ein hohes Maß an Disziplin, vom Generalkapitel nicht kugelrund und übergewichtig zurückzukehren, zumal bei den vielen Sitzungen auch wenig körperliche Bewegung möglich ist. Jetzt weiß ich auch, woher der Begriff „kapitulieren“ kommt.
Wenn ich nur wüsste, was ich jetzt gesungen habe
08. Juni 2009 – Bruder Norbert Plogmann
Die dritte Sitzungswoche ist angebrochen. Der Tagesrhythmus ist inzwischen Gewohnheit. 6.15 Uhr aufstehen, dann 7.00 Uhr Morgenlob und Heilige Messe. Für die Brüder „deutscher Sprache“ ist eine kleine Kapelle in den Seitengängen der Basilika Santa Maria degli Angeli reserviert. Es gibt nur wenige liturgische Feiern für das gesamte Generalkapitel. Der Weg am Morgen führt über den menschenleeren Vorplatz der Basilika. Drinnen singen die Brüder des hier ansässigen Konventes schon das Morgenlob. Kurzes Verweilen vor der kleinen Porziunkula-Kapelle. Dieser kleine Ursprungsort unseres Ordens liegt mitten in der mächtigen Basilika wie eine kleine kostbare Perle in der Austernschale. Die Brüder der verschiedenen Sprachgruppen begeben sich in Stille zu ihren Kapellen.
In unserer kleinen Gruppe bringt jeder die liturgischen Bücher in seiner Sprache mit. Wir verteilen einzelne Teile des Morgenlobs und der Hl. Messe auf unsere Muttersprachen: ungarisch, niederländisch, französisch, deutsch. Alle können den Inhalten in ihrer Sprache folgen. Wir feiern in der Capella di pianto. Aus der Kapelle nebenan klingt polnisch zu uns herüber.
Sitzungsbeginn ist um 9.00 Uhr nach dem Frühstück. Vorher noch schnell alle Papiere holen, die sich im persönlichen Fach vor der Sitzungsaula angesammelt haben. Kopfhörer und Empfänger für die Simultanübersetzung nicht vergessen. Gott sei Dank, in der Aula läuft die Klimaanlage. Dem einen ist es zu kalt, der andere wedelt sich frische Luft zu. Nur bei Englisch kann ich den Kopfhörer abnehmen. Spanisch und Italienisch sind die weiteren Sitzungssprachen. Jede Sitzung beginnt mit einem Lied und einem Gebet. Wir singen nicht nur in den drei offiziellen Kapitelssprachen, sondern in vielen fremden Sprachen der Welt wie Urdu, Tagalok, Guarani, Shona, Kishuaeli. Es sind Alltagssprachen anwesender Brüder. Die Lautschrift der Liedzeilen lesen wir von der großen Leinwand ab. „Wenn ich nur wüsste, was ich jetzt gesungen habe,“ lacht mein Nachbar aus den Niederlanden.
Sitzungseinheit A und B dauern mit einer Pause bis 12.30 Uhr. Italienisches Mittagessen in Buffetform um 13.00 Uhr, vielfältig und leider verführerisch. Kleinere Portionen des Buffets wie Reis und Bohnen spiegeln landestypische Essensgewohnheiten wieder. Fast 200 Personen befinden sich im großen Speisesaal des „Domus pacis“, unserem Tagungsort. Sitzungseinheit C und D dauern mit einer Pause von 15.30 Uhr bis 19.00 Uhr. Dann ist Zeit für das Abendlob in den verschiedenen Sprachgruppen. 20.00 Uhr Abendessen. Danach treffen sich Brüder draußen vor der Tür in zwanglosen rekreativen Runden im Garten. Auch eine gute Zeit für einen Abendspaziergang. Noch schnell ein paar Blicke in die ausliegenden Zeitungen. Auf dem Weg zum Zimmer wünschen sich die Brüder eine gute Nacht in ihrer jeweiligen Muttersprache.
Ist die Luft nun raus aus nach der zweiten Sitzungswoche mit den Wahlen? Keine Gespräche mehr über Namen, Inhalte, Richtungen, Koalitionen? Ich glaube nicht. Mit der dritten Sitzungswoche beginnt die inhaltliche Arbeit in den Sachkommissionen. Eine Programmkommission, die im Hintergrund arbeitet, soll aus den Beratungen der ersten zwei Wochen schon 100 Vorschläge herausgefiltert haben. Jetzt wird es darum gehen, diese vielen Vorschläge zu Entscheidungen zu bringen, die der Ordensleitung und dem ganzen Orden für die nächsten sechs Jahre mit auf den Weg gegeben werden. Das Generalkapitel ist schließlich nach dem Heiligen Geist die höchste Instanz des Ordens, das gesetzgebende Organ, die Legislative.
G5-Gipfel in Assisi

- v.l. Bruder Mauro, Bruder José, Bruder Marco
08. Juni - Bruder Maximilian Wagner -
Es war schon ein beeindruckender geschichtlicher Moment, als heute auch die anderen obersten Chefs der franziskanischen Familie zu unserem Generalkapitel kamen und zu uns ein Grußwort sprachen: Bruder Marco Tasca OFMConv, der Generalminister der Franziskaner-Minoriten,Bruder Mauro Jöhri OFMCap, der Generalminister der Kapuziner, Bruder Michael J. Higgins TOR, der Generalminister des regulierten Dritten Ordens, und Incarníta del Pozzo OFS, die Generaloberin des Ordo Franciscanus Saecularis, d.h. der weltweiten Franziskanischen Gemeinschaft.
Bruder Mauro Jöhri erinnerte an das Mattenkapitel der franziskanischen Familie zum 800. Jahrestag der mündlichen Bestätigung der Franziskus-Regel, als alle 2000 Franziskaner, Minoriten und Kapuziner in einer feierlichen Prozession miteinander von Portiuncola zur San-Francesco-Kirche nach Assisi zogen. Bei dieser Gelegenheit wechselten sich die Generalminister ab, das Kreuz voran zu tragen. Unser General Br. José machte den Anfang und trug es eine sehr weite Wegstrecke, ohne ein Zeichen der Ermüdung. Als Bruder Mauro das Kreuz übernahm, wunderte er sich, dass dieses so schwer war und José dieses ohne zu jammern so lange getragen hatte. Am nächsten Tag jedenfalls hatte Mauro einen gehörigen Muskelkater in den Armen. Die Kreuze und Lasten, die unsere Generalminister in der Regel zu tragen haben, sind offensichtlich nicht immer so schwer.
Der Organisator
07. Juni - Bruder Maximilian Wagner -
Bruder Francesco Patton, der diesjährige Sekretär des Generalkapitels, hatte bereits 2003 diese Aufgabe mit Bravur geleistet. Inzwischen haben ihn die Brüder seiner Heimatprovinz Trient zu ihrem Provinzial gewählt. Sein Provinzialsvikar vertritt ihn und die Interessen seiner Provinz hier mit eigener Stimme, da Francesco zu sehr mit der Organisation beschäftigt ist und als Sekretär des Generalkapitels nicht stimmberechtigt ist.
Man trifft ihn fast ständig bei der Arbeit an, ohne dass er Hektik oder gar Panik verbreiten würde. Ganz unscheinbar sitzt er oben am Rande des Präsidententisches dabei, achtet darauf, dass alle rechtzeitig in die Aula kommen, um dort pünktlich mit den Sitzungen zu beginnen.
Bereits vor dem Generalkapitel hatte er alle Kapitelsteilnehmer angeschrieben, die genauen Ankunftszeiten erfragt und die Anreise der Kapitulare organisiert. Einige Brüder brauchten, um nach Europa einzureisen, eine offizielle Einladung für ihr Visum. Übersichtlich und kompetent hat er alle Unterlagen fürs Generalkapitel zusammengestellt und sie allen rechtzeitig zugesandt. Seine italienischen Provinzialskollegen sagen manchmal wegen seiner Genauigkeit und seines Organisationstalents: „Lui è un po’ troppo tedesco“ (Er ist einfach zu deutsch).
Er sorgt fleißig wie eine Biene für den geregelten Ablauf des Generalkapitels, entlastet den Generalminister, wo er nur kann, dirigiert und koordiniert alle Mitarbeiter, damit das detaillierte Programm wie vorgesehen durchgeführt werden kann. Natürlich ist er auch für die Dokumentation und Archivierung der Dokumente, Wahlen etc. zuständig. Er überarbeitet die Protokolle der ordentlichen Sitzungen, erstellt und unterschreibt die offiziellen Aushänge und gibt im Kapitelsaal immer wieder präzise Ansagen zur Orientierung am Tagesablauf und an den vereinbarten Spielregeln des GK.
Bruder Francesco ist eine unscheinbare Figur, die aber die Fäden voll und ganz in der Hand hat und dessen Kompetenz, alles zu strukturieren und zu lenken, uns allen hier zugute kommt. Vergelt’s Gott, Francesco, für deinen brüderlichen Dienst!
Bruder Roger Marchal aus Straßburg ist neuer Generaldefinitor für Mitteleuropa
06. Juni - Maximilian Wagner -
Über drei Stunden lang dauerte die Prozedur heute, jeweils für ein bestimmtes Gebiet, eine Sprachgruppe oder Kultur einen der neun Generaldefinitoren zwischen zwei vorgeschlagenen Kandidaten auszuwählen.
Für das Gebiet der COTAF, das die Länder Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland, Rumänien und Ungarn umfasst, wurde heute Morgen der Provinzial Bruder Roger Marchal (54) aus Straßburg gewählt. Er löst damit Bruder Jakab Várnai aus Ungarn nach sechs Jahren in diesem Amt ab.
Auffällig bei den Wahlen der Generalleitung war, dass mit der Wiederwahl von Bruder José R. Carballo als Generalminister alle anderen Inhaber der bisherigen Ordensleitung ausgewechselt wurden und fast alle mehr als 100 Stimmen bekamen..
Einzig der bisherige Sekretär des Generalministers Bruder Ernest Siekierka wurde als Generaldefinitor ins oberste Leitungsgremium des Ordens gewählt, so dass der Generalminister auch für diese Aufgabe künftig einen neuen Mitbruder benennen muss.
Weiter ist bemerkenswert, dass viele jüngere Brüder in die Verantwortung gewählt wurden. Manche der gewählten Generaldefinitoren sind erst seit einem Jahr Provinzial gewesen.
Der Generalminister betonte in seiner ersten Ansprache an die Kapitulare, dass er für das zweite Sexennium neue Akzente setzen will. Unter anderem will er mehr ein Hörender werden und mit den anderen Brüdern der Generalleitung im Team zusammenarbeiten.
Tipps aus dem Vatikan für Carballo
05. Juni - Bruder Maximilian Wagner -
Vor der definitiven Wahl des Generalministers richtete Kardinal José Saraiva Martins als päpstlicher Gesandter u. a. folgende Worte an uns Franziskaner:
Liebe Brüder des Minderbrüderordens, die ihr hier zum Generalkapitel zusammengekommen seid, es ist für mich Freude und Geschenk, mit euch heute hier sein zu können, zumal euer Generalkapitel mit dem 800jährigen Jubiläum der Gründung eueres Ordens zusammentrifft.
Papst Benedikt XVI. hat in seinem Ernennungsschreiben, in dem er mich beauftragt, die Wahl eueres neuen Generalministers zu leiten, folgendes geschrieben: „800 Jahre sind vergangen seit dem Tag, an dem Papst Innozenz III. mit größtem Wohlwollen Franz von Assisi und seine Gefährten empfing, die ein Leben nach dem Evangelium anzunehmen wünschten. Nachdem er die Hingabe der Gottesmänner erkannt hatte, gab er seine eigene Zustimmung zu ihrer Anfrage, segnete Franz und seine Brüder und sagte ihnen: ‚Geht mit dem Herrn, Brüder, und predigt, so wie es der Herr euch eingibt, allen die Buße’.“
Meine Anwesenheit heute hier ist Zeichen des Wohlwollens, Vertrauens und Segens, der sich zeitlich fortsetzt, damit ihr nach der Form des hl. Evangeliums lebt und nicht aufhört, die Männer und Frauen unserer Zeit „zur Buße“, zur Umkehr einzuladen, Jesus Christus als einzigen Erlöser anzunehmen und ihn ins Zentrum des eigenen Lebens zu stellen. (…)
Ganz in der Nähe der Portiuncola-Kapelle rufen wir die Gottesmutter Maria, die Patronin eueres Ordens an, die Franz als „Jungfrau zur Kirche gemacht“, als „Tochter und Magd des allerhöchsten Königs, des himmlischen Vaters, Mutter unseres Herrn Jesus Christus und Braut des hl. Geistes“ betitelte.
Der Herr segne euch und erleuchte euch mit der Gnade des hl. Geistes bei der Wahl des Generalministers eueres Ordens, damit ihr einen Mitbruder erwählt, der fähig ist, euch alle zu bestärken, heute euere Lebensregel zu leben, und der geeignet ist, euch zu leiten und zu führen, damit ihr Verkünder des Gotteswortes inmitten aller Völker seid. Amen.
Bruder Michael Anthony Perry ist neuer Generalvikar der Franziskaner
05.Juni - Bruder Maximilian Wagner
Heute Morgen wurde Bruder Michael Anthony Perry (55) aus Indianapolis/ USA (seit einem Jahr Provinzial der Sacred Heart Provinz) zum neuen Generalvikar des Ordens gewählt. Gleich beim ersten Wahlgang war er zum Moderator des Generalkapitels gewählt worden und hatte mit seiner offenen und kreativen Art, das Kapitel zu moderieren, offensichtlich überzeugt. Bei der Wahl zum Generalvikar erhielt er im ersten Wahlgang 103 der 151 Stimmen.
Michael Anthony Perry trat 1977 in den Franziskanerorden ein, legte 1981 seine Feierliche Profess ab und wurde 1982 zum Priester geweiht. Er war sechs Jahre Missionar in Zaire und promovierte in Missionswissenschaft zum Dr. theol. Er arbeitete für die Bischofskonferenz in den USA, für Franciscan International und Caritas. Bruder Michael stammt aus der Provinz, die vor gut 150 Jahren von Brüder der Sächsischen Franziskanerprovinz vom Heiligen Kreuz gegründet wurde, die wegen des Kulturkampf Deutschland verlassen mußten.
Ähnlich wie Obama ist Michael Perry ein Hoffnungsträger, der an der Seite des Generalministers dafür sorgen soll, dass in den nächsten 6 Jahren nicht alles wie bisher weiterläuft, sondern neue Akzente in die Generalkurie kommen. Die Italiener verzichteten diesmal ausdrücklich darauf, einen Generalvikar zu stellen, um die Internationalität des Ordens zu begünstigen.
Wahl des Kabinetts: Favoriten der Deutschen
05. Juni – Maximilian Wagner - Nach der Wahl des Generalvikars unseres Ordens am heutigen Freitag werden nun am Samstagvormittag noch zehn Generaldefinitoren gewählt. Auf Vorschlag der entsprechenden Regional-Konferenzen wählen dann pro Region alle 152 Kapitulare nach und nach einen Generaldefinitor. Dieser ist nicht nur für sein Land oder seine Sprachgruppe zuständig, sondern bei allen Tagesordnungspunkten der Generalleitung mit entscheidet.
Die Regionalkonferenz „Franziskaner jenseits der Alpen“ (COTAF) hat als ersten Kandidaten wieder Bruder Jakab Várnai (51) aus Ungarn (Budapest) benannt. Er spricht fast jede in der COTAF vertretene Sprache und hat in den letzten sechs Jahren viele wertvolle Erfahrungen für diese Aufgabe in der Generalkurie gesammelt.
Unser zweiter Wahlvorschlag ist Bruder Roger Marchal (54) aus Frankreich (Straßburg), der Deutsch und Französisch spricht und bis auf Ungarisch alle Provinziale unserer Konferenz ansprechen und verstehen kann. Italienisch müsste er wie damals Jakab noch lernen, was für einen Franzosen nicht schwer ist.
Spätestens am Montag wird eine Übersicht der neu gewählten Generalleitung zur Verfügung stehen.
Wie wird der Generalminister den Kuchen verteilen?
04. Juni - Bruder Maximilian Wagner
Die Brüder des Konvents Portiuncola haben dem frisch gebackenen neuen Generalminister eine leckere Torte geschenkt, die das Logo des Generalkapitels trägt. Rechts von Bruder José sitzt der Kurienkardinal José Martins, links vom ihm der Provinzial Bruder Bruno Ottavi von Umbrien im großen Refektorium des Protokonvents.
Nach seiner Wiederwahl als Generalminister sind nun alle gespannt, wer Bruder José als Generalvikar an die Seite gewählt wird und welche Definitoren mit ihm den Kuchen der Macht und Verantwortung in den nächsten sechs Jahren teilen werden.
Die erste Testwahl für den neuen Generalvikar hat neben dem bisherigen Amtsinhaber P. Francesco Bravi zumindest folgende Kandidaten erbracht: Bruder Ambrogio Nguyen Van Si, Bruder Nestor Inacio Schwerz, Bruder Waclaw Chomik und Bruder Michael Anthony Perry (ohne Bild).
Wenn der Generalminister jeden einzelnen in die Arme schließt.
04. Juni - Bruder Franz-Leo Barden -
Nun ist es klar, was nach den Vorwahlen bereits zu erwarten war: der neue Generalminister ist der alte: der 119. Nachfolger des heiligen Franziskus (laut der offiziellen Webside www.ofm.org) ist José Rodriguez Carballo. Wie gesagt: eine Überraschung war das heute morgen nicht mehr.
Aber einzelne Riten und Begebenheiten rund um die Wahl überraschten doch: z.B.: Vor der Wahl tritt der alte Generalminister nach vorn, vor den päpstlichen Delegaten, und überreicht ihm die Siegel. Damit übergibt er auch sichtbar seine Amtsvollmachten. Davor aber noch, das Siegel noch in der Hand, quasi als letzte Amtshandlung bedankt er sich: für die Gnade und Kraft, die Gott ihm geschenkt hat; für die Brüder, für die er der erste Diener sein durfte; und namentlich dankte er seinem Vikar und jedem einzelnen Definitor, den Sekretären und den Mitarbeitern in der Kurie. Er gedenkt der Verstorbenen Mitarbeiter. Dann kniet er nieder und bittet um Vergebung, um Barmherzigkeit für all das, was in seiner Verantwortung nicht gut, nicht angemessen, nicht richtig gewesen ist. Das mag auch eine Formalie sein - und doch ist es ein Akt, der uns Teilnehmende bewegt. Hat nicht jeder von uns eine ihm gestellte Aufgabe?
Ist diese Aufgabe nicht auch Auftrag Gottes? Bin ich dankbar dafür und für die, die sie mit mir zu tragen suchen? Kann ich um Vergebung bitten, so ich in dieser Aufgabe, in diesem Auftrag versage? Der päpstliche Delegat gibt dem Generalminister als Antwort die Absolution, die Befreiung von der Bürde des Amtes.
Ein anderer bewegender Augenblick ist, als wir draußen stehen, bereit in die Portiunkula einzuziehen, und die Glocken erklingen: erst die tiefen, ganz allein, fast wie nach dem Konklave zur Wahl des Papstes, dann immer mehr andere Glocken, bis das ganze Geläut der Portiunkula-Basilika zu hören ist - das geht bis tief in den Bauch. Da macht es dann wenig aus, daß die Urne, in die wir feierlich unsere Stimmzettel einzeln einwerfen sollten, ein einfacher Pappkarton ist - weil die hölzerne Urne, die dafür vorgesehen ist, wohl in Rom vergessen wurde.
Schließlich berührt, wenn der neue Generalminister am Ende seiner offiziellen Einführung mit jedem Bruder den Friedensgruß teilt. Das dauert. Fast 200 Brüder sind da beisammen. Aber er nimmt sich die Zeit.
Und es ist ein schönes Zeichen, wie der Minister jeden einzeln in die Arme schließt und sich in die Arme schließen läßt.
Bruder José als Generalminister der Franziskaner wiedergewählt
4. Juni - Maximilian Wagner
Unter Vorsitz des apostolischen Delegaten Kardinal José Saraiva Martins wurde heute Generalminister P. José Rodriguez Carballo mit überzeugender Mehrheit (110 von 152 Stimmen) wiedergewählt.
Im vergangenen Sexennium hatte er weltweit jede Provinz mindestens einmal visitiert und bei vielen Brüdern einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Er zeigte sich als ein herzlicher und fleißiger Mitbruder, der viel Energie und Kraft in seinen brüderlichen Dienst investierte und viele Dinge mutig anpackte. Seinen Rechenschaftsbericht hat er überzeugend und mit viel Engagement vorgetragen und darin neben der Analyse unserer derzeitigen Ordenssituation einige Hoffnungszeichen und Träume für die nächsten Jahre formuliert. Möge es ihm gelingen, diese Visionen umzusetzen.
Am frühen Morgen feierten wir in der Portiuncula-Basilika miteinander einen feierlichen Gottesdienst unter Vorsitz des Kardinals. Bei verschlossenen Türen wurde um 9 Uhr in der Aula nach dem „Appello“, bei dem alle stimmberechtigten Kapitulare namentlich aufgerufen wurden, und nach einem Heilig-Geist-Hymnus mit einfachen Stimmzetteln gewählt. Die Auszählung erfolgte laut vor allen Kapitularen. Nach zwei deutlichen Testwahlen war das Ergebnis heute keine große Überraschung.
In einer feierlichen Prozession zogen dann alle Kapitulare mit ihrem neuen Generalminister in die Portiuncula-Kirche, wo er das Glaubensbekenntnis betete. Die Wahlzeremonie endete traditionell mit einem formvollendeten Mittagessen im Konvent von Portiuncula.
And the winner is
03. Juni - Franz-Leo Barden -
Ob einer von diesen Brüdern der nächste Generalminister sein wird? (siehe Foto) Vermutlich nicht. Bei aller Verschwiegenheit darf man doch wohl sagen, dass von den Brüdern auf dem Foto keiner ein "heißer Kandidat" ist. Aber die Frage, wer wohl der neue Generalminister wird, beschäftigt uns schon sehr. Man spürt, wie die Spannung ansteigt. Manche machen "Politik", manche werben sehr offen für ihren Kandidaten. Am Tisch spricht man über
Vor- und Nachteile der aussichtsreichsten Brüder, über Konsequenzen, wenn der eine oder der andere gewählt wird. Nur die Kandidaten sind auffällig still und zurückhaltend - nicht nur in der Öffentlichkeit. Das mag mit der im Orden üblichen Zurückhaltung bezüglich einer Kandidatur zusammenhängen. Das mag mit "Demut" und "Bescheidenheit" zu tun haben. Das hängt auch mit der Tradition zusammen, dass man keinen "Wahlkampf" für sich macht, keine "Kampagne" startet.
Aber mir scheint, das hat auch damit zu tun, dass die Kandidaten - und wir alle - spüren, dass (wie es einer gestern im Gespräch sagte) es beim Amt des Generalministers nicht um ein Ehrenamt geht, nicht darum geht, "the winner is...", sondern, dass es ein Amt mit viel Verantwortung und Belastung ist und in erster Linie ein Dienst an den Brüdern (so sagt es unsere Regel).
Also: egal wer es denn werden wird - morgen wissen wir mehr - er wird viel Kraft und Unterstützung und mehr als alles andere Gottes Segen und Kraft brauchen. Kein Zufall also, dass wir vor jedem Wahlgang, auch schon vor den nur der Orientierung dienenden Vorwahlen, um die Gaben des Heiligen Geistes und um sein Wirken mitten unter uns bitten. Und dies ist wohl auch zugleich die Bitte für den zukünftigen neuen oder alten Generalminister.
Was heute geschah

- (c) OFM
03. Juni - Maximilian Wagner -
Nach der Laudesmesse in den einzelnen Sprachgruppen oder Konferenzen und dem Frühstück beschäftigte sich jede Gruppe nochmals mit der Revision der Generalstatuten und den vorgeschlagenen Änderungen, die dann im Plenum (Foto) diskutiert und abgestimmt wurden. Im Wesentlichen betreffen die Änderungen die Realität der Restrukturierung gewisser Entitäten, um die interprovinzielle Zusammenarbeit zu regeln, die Rolle der kanonischen Visitation gerade bei Auflösung einer Provinz oder Kustodie neu zu bedenken und Neugründungen gesetzlich zu verankern.
In Art. 136 wurde die Zusammensetzung des Generalkapitels neu geregelt und vorgeschlagen, auch den Generalmoderator für missionarische Evangelisierung, der Generalassistent der Franziskanischen Gemeinschaft OFS und den Direktor des Generalbüros für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung mit vollem Stimmrecht zuzulassen. Weiter wurde eingearbeitet, dass neben der FG, auch die junge FG ausdrücklich erwähnt wird.
Das Antonianum wurde von der päpstlichen Hochschule (PAA) inzwischen zur päpstlichen Universität (PUA) aufgewertet. Daher muss in den entsprechenden Artikeln der Generalstatuten die neue Bezeichnung eingetragen werden.
Außerdem wurde geregelt, dass der Provinzial jährlich die Bücher der Konvente, in denen die Messintentionen eingetragen werden, überprüfen und die Zweckbestimmung der Gelder für binierte Messintentionen festlegen soll.
Vor der Veröffentlichung eines Buches ist die Zustimmung des Provinzials erforderlich und vor Beginn eines Gerichtsprozesses ist ebenfalls die schriftliche Genehmigung des Provinzials einzuholen. Can. 1340 des CIC bezüglich der Ermahnung und Zurechtweisung der Brüder wurde ebenfalls in die revidierten Generalstatuten eingearbeitet.
Viel mehr als diese etwas staubigen Paragrafen interessiert die Kapitulare das Ergebnis der zweiten Testwahl heute abends für das Amt des Generalministers. Morgen vormittags wird dann unter Vorsitz des apostolischen Delegaten Kardinal José Saraiva Martins die offizielle und verbindliche Wahl des Generalministers stattfinden. Die erste Testwahl lässt eine Wiederwahl von P. José R. Carballo vermuten. Seine Herausforderer heute abends könnten P. Pierbattista Pizzaballa, der Kustos des hl. Landes, oder der neue Favorit der Lateinamerikaner, P. Nestor Schwerz werden. Aber das Generalkapitel ist ja frei, noch weitere Kandidaten zu benennen, von daher ist noch alles offen und möglich. Morgen wissen’s wir dann endgültig, wer unseren Orden die nächsten sechs Jahre weltweit führen und leiten wird.
Die ersten wichtigen Entscheidungen...

- Franziskanisches Abstimmgeräte
02. Juni - Bruder Maximilian Wagner
Mit einem elektronischen Gerät wurde heute die Abstimmung durchgeführt, um zu entscheiden, wie viele Generaldefinitoren (GD) am Samstag zu wählen sind:
Mindestens 2/3 der 152 stimmberechtigten Kapitulare mussten für einen Antrag stimmen, damit dieser als entschieden galt. Nach der Bearbeitung des Antrags in Kleingruppen und einer umfassenden Diskussion im Plenum wurde mit Mehrheit entschieden, dass wie bisher üblich neun Generaldefinitoren gewählt werden, dass aber für Lateinamerika ein weiterer GD zugelassen wird.
Außerdem wurde die neue Generalleitung beauftragt, mit einer internationalen Kommission die Vorschläge des Generalkapitels 2009 zu sichten und bis 01.01.2012 die Leitungsstruktur unseres Ordens einem umfassenden Studium zu unterziehen und dem Generalkapitel 2015 einen entsprechenden Wahlmodus vorzulegen.
Zum Beispiel war auch vorgeschlagen worden, für Europa nur mehr zwei statt wie bisher vier GD zu wählen und so die Zahl der GD auf ein kleineres Gremium von sieben Brüdern zu reduzieren, da dieses von der Gruppendynamik her effektiver sei.
Heute Nachmittag beschäftigten wir uns in Kleingruppen mit Änderungen der Generalstatuten, bevor wir eine erste Testwahl für den neuen Generalminister starteten. Das Ergebnis lag bisher noch nicht vor.
Die Stimmung auf dem Generalkapitel
- 02. Juni - Bruder Maximilian Wagner -
„Und wie lebendige Steine, sozusagen gesammelt aus allen Erdteilen, vereinigen sie sich im Tempel des hl. Geistes. Wie glühend war die brüderliche Liebe der neuen Jünger Jesu, der ersten Franziskaner! Sie waren glücklich, wenn sie sich versammeln konnten, noch begeisterter, wenn sie beisammen waren, aber für alle war es schwer, getrennt zu leben, bitter war die Aufteilung, schmerzhaft der Abschied.“
Mit diesen Worten berichtet Thomas von Celano (1Cel 15, 38 f.) von den ersten Pfingstkapiteln der neuen franziskanischen Bewegung und illustriert damit den Psalmvers 133,1, in dem es heißt: „Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen“.
Es hat bis heute eine eigene Faszination, wenn Brüder aus aller Welt zusammenkommen, um sich über aktuelle Erfahrungen und Grenzen der franziskanischen Mission im jeweiligen Provinzgebiet auszutauschen und miteinander nach Lösungen zu suchen, wie wir im heutigen Kontext unseren franziskanische Auftrag verwirklichen können.
Mal sehen, wie schwer uns am Ende der vier Wochen Generalkapitel der Abschied von Assisi und voneinander fällt. Die Stimmung auf dem Kapitel ist jedenfalls wie oben beschrieben. Immer wieder wird gefordert, das Schlussdokument des Kapitels so knapp wie nur möglich zu halten. Am effektivsten wäre eine konkrete revolutionäre Anregung (Priorität), die sich weltweit umsetzen und nachher eindeutig verifizieren lässt!
Emmaus-Methode und Generalprocura

1. Juni - Bruder Maximilian Wagner -
Jeden Montagmorgen steht auf dem Programm des Generalkapitels eine gemeinsame Schriftbetrachtung nach der Emmaus-Methode.
Beim außerordentlichen Generalkapitel 2006 hatte uns ja das Emmaus-Evangelium (Lk 24) inspiriert, uns ausgehend von der Hl. Schrift über unsere Glaubenserfahrungen auszutauschen. Diesmal gab Ex-General P. Giacomo Bini einen geistlichen Imput zum 1. Kapitel der Bullierten Regel, mit dem sich zunächst jeder Kapitular innerlich auf den Weg machte und dann in seiner Sprachgruppe mit anderen ins Gespräch kam. Freie Fürbitten und ein abschließendes Gebet beendeten den spirituellen Einstieg. Um 7 Uhr hatten wir bereits in den jeweiligen Konferenzen und Sprachgruppen eine Laudesmesse gefeiert.
Nach der Kaffeepause legte P. Francesco Bravi seinen Bericht über die Arbeit in der Generalprocura des Ordens während des letzten Sexenniums vor. Die Procura Generale bildet die Brücke zwischen den Provinzen und dem Hl. Stuhl. Dort werden die juristischen Anfragen geregelt, die eine Provinzleitung zunächst an den Generalminister richtet, der diese dann an die zuständige vatikanische Behörde weiterleitet und um Entscheidung bittet. Das ist der Fall, wenn es um Statutenänderungen geht, um die Zustimmung zu Verkäufen von Klöstern ab einem gewissen Wert und um ein Nihil obstat zu erbitten. Weltweit haben in den letzten 6 Jahren 553 Brüder unseren Orden verlassen. Auffällig war bei der Übersicht der Statistik, die sich auch am Ende des Generalberichts findet, dass die Entlassungen aus dem Orden zunehmen. Die genannten Gründe für den Ordensaustritt wurden genau analysiert und übersichtlich zusammengestellt.
Am Nachmittag werden uns unter anderem die generelle Zusammensetzung des Generaldefinitoriums und die gerechtere Verteilung der Mandate auf die Konferenzen beschäftigen, die wir dem Generalkapitel 2015 empfehlen. Draußen regnet es munter weiter, das erhöht die Arbeitsmoral.
Musical über das Leben der hl. Klara von Assisi
01. Juni - Bruder Maximilian Wagner -
Den total verregneten Sonntagnachmittag gestern nutzte ich, um mir im Theater Metastasio in der Innenstadt von Assisi das beeindruckende Musical „Chiara di Dio“ anzuschauen, das seit 17. April d. J. hier an jedem Wochenende aufgeführt wird. Carlo Tedeschi aus Rimini hatte dieses Tanztheaterstück 2003 zum 750. Todestag der hl. Klara geschrieben.
Die Vorführung beginnt mit Klaras Tod, sie ist umgeben von ihren weinenden Mitschwestern, und blendet dann zurück auf ihr heiliges Leben. Eine dunkle gebückte Gestalt – eine Mischung aus Bruder Tod und Herrin Armut – zündet zwei Kerzen an und nimmt Bezug darauf, dass Klara vor dem Sterben nach einer Kirsche verlangte, ein zur damaligen Zeit nahezu unerfüllbarer Wunsch im Monat August. Agnes schickt eine Mitschwester in den Klostergarten und tatsächlich kehrt diese kurz darauf zurück und kann auf wunderbare Weise den letzten Wunsch der sterbenden Heiligen erfüllen.
Mit einem sehr schlichten Bühnenbild, gesprochenen Szenen, einer traumhaften Inszenierung und Choreografie sowie eindrucksvollen Tanzeinlagen wird der Zuschauer zunächst ins Wohnhaus der Familie Offreduccio geführt, wo er miterleben darf, wie die Mutter ihrer kleinen Klara (wird von einem dreijährigen Mädchen gespielt) das Beten beibringt und wie sie am Palmsonntag ihre Flucht plant. Alle weiteren Szenen spielen sich im oder vor dem Kloster San Damiano ab: Begegnung mit Franziskus, Vertreibung der Sarazenen, alltägliche Arbeiten im Kloster und die durch Krankheit bettlägerige Klara.
Die 15 € Eintritt haben sich gelohnt. Die 22 Schauspieler schaffen es in zwei Stunden meisterhaft, dem Publikum das Leben der hl. Klara von Assisi für immer unvergesslich zu machen.
Das Feuer des Geistes erhelle unsere Herzen...
- 01. Juni - Bruder Fanz-Leo Barden -
Ein riesiges Feuer mitten in der dunklen Nacht stand am Beginn der Pfingstvigil, die wir am Samstag unter Leitung von Generalvikar Bruder Francesco Bravi feierten. Das Feuer war wirklich beeindruckend: die Kraft, das helle Leuchten, die Hitze, die verzehrende Macht.
Es ist faszinierend in diese strahlenden Flammen zu schauen, zu sehen, wie das Feuer das Holz verzehrt, wie der Wind die Flammen anstachelt; zu spüren, wie die Wärme sich verbreitet und die Gesichter im leuchtenden Rot und Orange zu betrachten (Bild).
Dieses eindrückliche Spektakel öffnete unsere Herzen für die Worte der Lesungen aus Altem und Neuem Testament, die in verschiedenen Sprachen im Gottesdienst verlesen wurden. Es stellte uns sehr anschaulich die Vielfalt der Sprachen und das babylonische Stimmengewirr vor Augen, aber auch, dass Hören und Verstehen möglich ist.
Franceso Bravi erinnerte in seiner Predigt an ein Wort von Papst Paul VI.: "Was brauchen wir in dieser Situation der Kirche mehr als alles andere?"- Und was brauchen wir als Orden mehr als alles andere? "Ein neues Wehen des Heiligen Geistes!" Ein Entflammt-werden von diesem lodernden Feuer der Liebe und des Lebens.
Die Feier endete mit der sakramentalen Anbetung und einem besonderen Moment, als wir eingeladen waren, unsere kleinen Kerzen-Lichter vor den Altar zu tragen (Bild). Und da brannten die vielen kleinen Kerzen mit ihrem milden Licht stellvertretend für das Gebet und die Bitten so vieler...
Viele Brüder werden sicher an die kommende Woche gedacht haben, an die Wahlen der neuen Generalleitung, aber auch - so wie ich - an die Brüder daheim in den Provinzen und an die Menschen, die zu uns gehören."
Fränkisches Bier in Assisi
- 31. Mai - Bruder Maximilian Wagner -
Vor der Piazza der Kirche S. Chiara in Assisi war dieses Wochenende eine Oberfränkische, um nicht zu sagen Bayerische Musikkapelle aus Bayreuth zu Gast. Neben der heimatlichen Blasmusik gab es fränkisches Weißbier und gegrillte Würstel zu kaufen, um für die Bayerische Kultur und ihre Produkte zu werben.
Die Italiener sind ja wahrlich kein Kostverächter, doch die meisten Gäste, die sich unter sonnigem Himmel für die fränkische Kultur interessierten, waren eindeutig Verwandte und Bekannte der aus der nördlichen transalpinen Gegend angereisten Schar zünftiger und lebensfroher Menschen, denen es mustergültig gelang, den einzigartigen Flair Umbriens mit dem typischen Prosit der bayerischen Gemütlichkeit zu verbinden.
Den Kapitelsteilnehmern tut es nach einer anstrengenden Sitzungswoche gut, sich endlich wieder frei bewegen zu können. Viele nutzten den freien Samstagnachmittag und den Pfingstsonntag daher zu einem Ausflug in die nähere Umgebung Umbriens oder wenigstens zu einem gemütlichen Stadtbummel durch die Stadt Assisi.
Zum Bild und Thema des Generalkapitels 2009
- 31.Mai - Bruder Maximilian Wagner -
„Auf der ganzen Welt das Wort des Herrn verkünden“. Dieses Motto unseres Generalkapitels 2009, das sich mit neuen Formen der Evangelisierung und Mission beschäftigt, hat Br. John Abela, Malta, wunderbar ins Bild gebracht:
Im Mittelpunkt steht ein Franziskaner-Missionar, dessen offene Arme und dessen Blick zum Himmel Aufgeschlossenheit und Vertrauen ausdrücken. Sein Habit ist weiß, wie in den heißen Missionsländern aufgrund der starken Sonne und hohen Temperaturen üblich.
Ihm zu Füßen ist wie für den Dirigenten eines Orchesters die Partitur das Buch des Evangeliums aufgeschlagen, in dem sich die Welt in göttliches Licht getaucht widerspiegelt. Es könnte auch das Buch der Schöpfung oder des eigenen Lebens symbolisieren, in dem der Missionar Gottes Spur entdecken kann. Der rote untere Rand erinnert mich an die Lunula einer Monstranz. Gottes Liebe hält die Welt und das Evangelium und bietet beides als Orte seiner Inkarnation als Brot des Lebens an.
Beflügelt wird der OFM Missionar, der Sinnbild jedes Minderbruders ist, von drei pfingstlichen Feuerzungen, die farbenmäßig die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe oder das Feuer der Leidenschaft, das in ihm brennt, bedeuten könnten. Zu seinen Füßen bilden sie einen Regenbogen und erinnern daran, dass Gott zu seinem Bund steht.
Im 14. Jahrhundert war der Franziskanerorden der erste Missionsorden, der heute in allen Ländern der Erde vertreten ist.
Wer ist beim Generalkapitel dabei?
30. Mai - Maximilian Wagner -'
Wie setzt sich das Generalkapitel eigentlich zusammen? Wer nimmt an den Beratungen teil? Natürlich gehören zunächst der amtierende Generalminister, sein Generalsvikar, die neun Generaldefinitoren, die jeweils eine bestimmte Region repräsentieren und der Generalsekretär dazu .
Dazu kommen 103 Provinzialminister (bzw. deren Delegaten), neun Kustoden einer unabhängigen Kustodie (darunter auch der Kustos des Hl. Landes), 13 Kustoden einer abhängigen Kustodie (wie die Schweiz ab 07.07.2009 von der Provinz Österreich) sowie als Delegaten der 13 Konferenzen des Ordens Vertreter der Laienbrüder weltweit.
In den Generalstatuten ist vorgesehen, dass der vorherige Ex-Generalminister, in unserem Fall P. Giacomo Bini, vertreten ist, ebenso der Generalsekretär für Ausbildung und Studien P. Massimo Fusarelli und der Generalsekretär für Evangelisierung P. Nestor Schwerz.
Neben diesen 152 stimmberechtigten Kapitularen nehmen am Kapitel folgende Mitbrüder teil:
Der Generalkapitelssekretär mit zwei Stellvertretern (damit alle drei Ordenssprachen mit Muttersprachlern abgedeckt sind!), der Generalökonom, drei Protokollführer („verbaliste“), ein Rechtsexperte, drei theologische Fachleute zur Erstellung des Schlussdokuments, ein Zeremoniar, 13 Übersetzer als Simultandolmetscher während der Sitzungen sowie für die Dokumente jeweils in die drei Ordenssprachen, zwei Mitbrüder für die Pressearbeit und Internetpräsenz, zwei fürs Sekretariat, das während des Kapitels fast ständig besetzt ist.
Somit zählt das Generalkapitel insgesamt 181 Teilnehmer.
Dies war wirklich ein wunderschöner Abendgottesdienst
- 28. Mai - Franz-Leo Barden -
Nach dem dritten Teil des Berichtes des Generalministers und der Diskussion im Plenum wie in den Sprachgruppen haben wir heute abend unsere Arbeit unterbrochen und uns versammelt in San Damiano, dem Ort, an dem Franziskus angesprochen wird vom Gekreuzigten; dem Ort, der so wichtig ist für die Berufung von Franziskus; der Ort, an dem Klara dann über viele Jahre gelebt und ihre Gemeinschaft gegründet hat.
Es war ein wunderschöner sonniger Abend. Br. Giacomo Bini, der Generalminister vor Br. José Carballo war, feierte mit uns diesen Gottesdienst. Er begann mit einer Einstimmung und Gewissenserforschung vor San Damiano. (Siehe Foto) Sind wir unserer Berufung wirklich gerecht geworden? Nehmen wir den Ruf, der an uns erging, in den Fusspuren Jesu Christi zu gehen, wirklich ernst genug? Als Zeichen unserer Buße waren wir eingeladen, uns Asche aufs Haupt zu streuen.
Dann standen wir zusammen im Kreuzgang von San Damiano. Die Sonne schien leuchtend und warm in diesen friedlichen Ort. Wir erneuerten unser Taufbekenntnis und Giacomo besprengte uns mit dem Wasser des Lebens und erinnerte uns damit an die Gnade der Taufe.
In seiner Predigt lud er uns mit herzlichen und freundlichen Worten ein, dem Herrn immer wieder Dank zu sagen und ihn zu preisen für all das Gute, das er in unserem Leben tut. Wir können uns keiner großen Taten rühmen, weil alles Gute, das in uns und durch uns geschieht, von Gott gewirkt ist. So dürfen wir ihm danken und ihn preisen und anbeten.
Die Worte und die Stimmung dieses Abends hallen noch nach in unseren Herzen..."
"Wie mag das wohl zu Franziskus' Zeiten gewesen sein...?
- 27.05. - Bruder Franz-Leo Barden -
Manchmal fragt man sich, wie das zu Franziskus' Zeiten wohl funktioniert hat, als es noch keine Lautsprecheranlage, keine Übersetzeranlage, keine Computer und keine Kopierer gab (siehe Foto aus dem Speisesaal) und als mehrere Tausend Brüder beim Kapitel gewesen sein sollen - so berichten es jedenfalls die Biographen. Das babylonische Stimmengewirr wird sicher ähnlich gewesen sein. Und sicher auch die wunderbare Chance, Erfahrungen und Erlebnisse von Brüdern aus verschiedensten Ländern, Kulturen und Situationen zu hören.
Der dritte Tag unseres Generalkapitels geht zu Ende. Heute abend sitzen die meisten beim Fussball - zumal es draußen regnet. Nach einem arbeitsreichen Tag ist das mehr als verständlich.
Allmählich kommt das Kapitel ins Arbeiten, richten sich Regeln ein, kommen die Gespräche nicht nur in Kleingruppen, sondern auch im Plenum in Gang. Es ging ja heute auch um sehr wesentliche Fragen unseres Lebens: Brüderliches Leben in Gemeinschaft, Mindersein, Armut und Solidarität, Gerechtigkeit, Freiden und Bewahrung der Schöpfung.
P.S.: Apropos Erfahrungen aus anderen Ländern: Michael Perry, Provinzial der Sacred Heart Province in den USA, erzählte heute zu Beginn unserer Sitzung eine amüsante Geschichte:
Ein alter irischer Bauer hatte über viele viele Jahre einen treuen Hund. Mit ihm lebte er allein auf seinem Hof. Eines Tages starb der Hund und so ging der alte Bauer zum Priester und sagte: "Mein Hund ist gestorben. Kannst Du wohl eine heilige Messe für ihn lesen?" Der Priester antwortete: "Oh, mein lieber Bruder. Das tut mir sehr sehr leid, dass Dein Hund gestorben ist. Aber leider kann ich keine katholische Messe für ein solches Geschöpf feiern."
"Gut", sagte der Bauer, "das kann ich gut verstehen. Dann will ich wohl zum anglikanischen Priester gehen und ihn fragen. Aber kannst Du mir sagen, ob 5000,- € eine angemessene Gabe dafür ist, daß er mir eine Messe liest!" - "Mein lieber Bruder", antwortete da der katholische Priester, "weshalb hast Du nicht gleich gesagt, dass Dein Hund katholisch war..."
Ich habe dich nicht zum Spaß geliebt
27. Mai - Bruder Maximilian Wagner -
"Ich hab Dich nicht zum Spaß geliebt", steht auf dem Fiat Ducato, der im Klostergarten von Portiuncula geparkt ist und mit diesem Slogan offensichtlich für die Berufungspastoral der Provinz Umbrien unterwegs ist. Das nicht ganz biblische Jesuswort muntert auf, erinnert es doch daran, dass Nachfolge Jesu in der Regel kein Sonntagsspaziergang ist, sondern unter Umständen ernste Konsequenzen haben kann.
„Ich habe dich nicht zum Spaß geliebt“, das wird auch uns hier bei Generalkapitel wieder bewusst, wenn wir durch den Bericht des Generalministers an die Schwachstellen unserer Gemeinschaften erinnert und auf unsere eigenen Grenzen aufmerksam gemacht werden.
„Ich habe dich nicht zum Spaß geliebt“, dieser Satz stimmt mich nachdenklich und lässt mich fragen, wo ich seine Liebe, die er mir immer wieder gratis erweist, erwidern und wie er Ernst machen müsste, die Menschen um mich herum endlich als Geschwister wahrzunehmen und ihnen mit derselben Liebe zu begegnen, die er uns beispielhaft geschenkt hat.
Let’s do it!
- 26. Mai - Bruder Franz-Leo Barden -
‘Let’s do it!‘ mit diesem Motto aus der Werbung endete unser Gruppengespräch und auch die Präsentation unserer Ergebnisse im Plenum heute Abend.
Der erste richtige Arbeitstag geht zu Ende. Begonnen hatte er mit der deutschen Messfeier in der Portiunkula-Kapelle. Das geht reihum in den Sprachgruppen und heute waren wir dran.
Im Plenum hat der Generalminister den ersten Teil seines Berichts vorgestellt, in dem es um das Hauptthema des Generalkapitels geht: die evangelisierende Mission. Im Anschluß wurde in Sprachgruppen weiterdiskutiert und die Erfahrungen ausgetauscht.
Ich bin in der englischen Sprachgruppe 2. Darin sind neben Deutschland, Österreich, England, Irland und Slowenien viele asiatischen Länder und Afrika vertreten. Also eine bunte Mischung und vielerlei verschiedene Erfahrungshorizonte.
Der Tag klang dann mit einer schönen Aktion der italienischen Provinzen aus: sie richteten nämlich mit kleinen Köstlichkeiten zum Abendessen und zum anschließenden Beisammensein im Garten (siehe Foto) den Abend aus und gaben so die Möglichkeit, einander in fröhlicher Runde weiter kennen zu lernen.
Und natürlich gab‘s auch die Gelegenheit, weiter über die Wahlen für die Leitungsämter im Orden zu diskutieren. Manche machen da richtig gern „Politik“ – das gehört halt auch dazu.
Langweilig wird’s jedenfalls nicht.
Das Generalkapitel ist eröffnet!
- 25. Mai - Bruder Franz-Leo Barden - Nun ist es also soweit: fast 150 Franziskaner aus aller Herren Länder sind zur Portiunkula-Kapelle gekommen wie vor 800 Jahren die Gefährten des heiligen Franziskus. Es ist ein buntes Stimmen- und Sprachengewirr den ganzen Tag.
Der Tag begann vor der Portiunkula-Kirche mit einer Meditation und dem feierlichen Einzug hinter dem Generalminister, der uns das Evangeliar vorantrug, in die Portiunkula-Kapelle (vgl. Foto). Ein bewegender Augenblick, an diesem heiligen Ort das Evangelium in der Hand des Generalministers zu verehren.
Die erste Sitzung im Plenum war nur einigen Formalia vorbehalten: Eröffnungswort des Generalministers, Grußworte des Provinzialministers von Assisi, des Bischofs und des Bürgermeisters. Die einzigen, die schon richtig arbeiten, sind die Sekretäre, Protokollanten und Übersetzer. Für die Kapitulare blieb es heute morgen beim „Presente“, „Anwesend“ oder „Present“-sagen beim namentlichen Aufruf. Außerdem mußten alle schwören, die Aufgaben und Pflichten als Kapitular gut zu erfüllen. Nun ist der erste Teil der Formalia erfüllt; heute nachmittag wird es schon ernster, wenn die Sprachgruppen gebildet werden und die Moderatoren und Vorsitzenden und Sekretäre der Gruppen gewählt werden.
Die Stimmung ist gut, das Wetter in Assisi hochsommerlich warm mit mehr als 30 Grad.
Natürlich gibt’s ein vorherrschendes Thema in den Gesprächen: wer wird der neue Generalminister? Wer ist Euer Kandidat? Für die anwesenden Kandidaten ist dies „Geflüster“ sicher nicht ganz leicht – aber das gehört dazu.
So kommt das Kapitel allmählich in Gang.
Der erste Tag
- 25. Mai - Bruder Maximilian Wagner - Im Laufe des Sonntagnachmittags 24.05.2009 reisten bei 33 Grad Celsius die meisten Kapitulare an. Um 20 Uhr gab es ein gemeinsames Abendessen, anschließend trafen sich viele noch zu einem frischen Bier oder einem Gläschen Wein.
Am Montag, 25.05.2009 versammelten sich um 7.30 Uhr alle Kapitulare vor der Basilika S. Maria degli Angeli, wo aus Thomas von Celano der Bericht über das jährliche Pfingstkapitel der Brüder in den drei Ordenssprachen Italienisch, Englisch und Spanisch vorgelesen wurde. Anschließend zogen alle feierlich in die Portiuncula-Kapelle ein, der Generalminister (GM) P. José Rodriguez Carballo an der Spitze, der dort jedem das Evangelium zum verehrenden Kuss reichte.
Ein festlicher Gottesdienst mit Orgelspiel und langer Predigt des GM folgte. Für das Frühstück blieb gerade eine knappe halbe Stunde Zeit.
Um 10 Uhr wurde das Generalkapitel (GK) in der Aula feierlich eröffnet. Der GM trug in einer Prozession die Regel des Ordens herein, inthronisierte und inzensierte sie mit Weihrauch.
Der Generalkapitelssekretär P. Francesco Patton aus Triest rief alle 152 Kapitulare namentlich auf, wobei zu dieser Zeit noch 5 Mitglieder fehlten. Der GM hielt eine ermutigende Begrüßungsrede und der Kapitelssekretär gab wichtige organisatorische Hinweise zum Ablauf des vierwöchigen Kapitels. Schließlich folgten noch Grußworte des Provinzials der Provinz Umbrien, des Bischofs und Bürgermeisters von Assisi, bevor es um 13 Uhr Mittagessen gab.
Nach einer ausgiebigen Siesta nahm das Kapitel um 15.30 Uhr seine Arbeit wieder auf. Am Nachmittag wurde die Geschäftsordnung des GKs knapp vorgestellt und dann von der Vollversammlung approbiert. Der GM hatte für alle Wahlen dieses GKs sechs Stimmenauszähler ernannt, in denen sich die 5 Kontinente widerspiegelten: Sabolcz aus Rumänien, Francis aus Korea, Gabriel von den USA, Victor Luis aus Guinea Bissau, Sabino aus Italien und Saul Orlando aus El Salvador.
Für die Arbeit in Gruppen wurden Listen ausgehängt, in denen sich jeder einer Sprachgruppe zuzuordnen hatte. Neben den drei Ordenssprachen wurde jeweils auch eine Gruppe für Französisch, Portugiesisch, Polnisch und Kroatisch gebildet, Deutsch war nicht mehr vertreten. Nachdem sich insgesamt 10 Gruppen gebildet hatten, gingen diese in die entsprechenden Räume, um für ihre Gruppe einen Präsidenten, Stellvertreter und Sekretär zu bestimmen. Am Abend trafen sich die Gruppenpräsidenten, um unter sich nochmals ein Oberhaupt als Präsident der Präsidenten zu wählen.
Nach einer kurzen Kaffeepause mit Plätzchen gab es wieder den Appell, d.h. den Aufruf aller Kapitulare, um dann die Stimmberechtigten und die absolute Mehrheit für die Wahl der Moderatoren festzustellen. 9 Namensvorschläge kamen aus den Konferenzen, drei davon sollten gewählt werden. Nach zwei Wahlgängen, deren Auszählung bis um 19.55 Uhr dauerte, waren als Moderatoren mit großer Mehrheit gewählt: Perry Michael Anthony, Carrero Morales Angel Dario sowie Brocanelli Vincenzo.
Das Abendessen hatten sich die Kapitulare für ihre Geduld bei der langatmigen Auszählung diesmal redlich verdient. Manche nutzten den lauschigen Abend noch zu einem Spaziergang, andere genossen die weltweite Gemeinschaft der Brüder bei der Rekreation.
Kommentar zum Weblog
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- Bruder Franz-Leo Barden OFM - Provinzialminister der kölnischen Franziskanerprovinz
- Bruder Dr. Maximilian Wagner OFM - Provinzialminister der bayerischen Franziskanerprovinz
- Bruder Norbert Plogmann OFM - Provinzialminister der sächsischen Franziskanerprovinz
- Bruder Markus Heinze OFM - Definitor der thüringischen Franziskanerprovinz

- Br. Franz-Leo, Br. Maximilian, Br. Norbert, Br. Markus
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